Es muss wohl an der Globalisierung liegen, dass sich viele Tatort-Filme der jüngeren Generation international verwickeln. Der gute alte Eifersuchtsmord in der Vorstadt – das war einmal. Ums große Ganze muss es jetzt gehen, und das große Ganze ist nun mal von weltumspannender Bedeutung. Heißt aber auch: Die Geheimdienste mit den putzigen Buchstaben-Kürzeln mischen immer munter mit. Hier im Leipziger Tatort ist es der MAD (Militärischer Abschirmdienst), und das Geschehen ist von solch wahnsinniger politischer Brisanz, dass die Amerikaner Rabatz machen und Berlin Alarmstufe Schwarz ausruft. Trotzdem bleibt uns ein Auftritt von Verteidigungsminister de Maizière erspart. Die bewährten örtlichen Kriminalisten Thomalla und Wuttke lösen den Fall. Oder beinahe. Bei internationalen Verwicklungen bleibt schon mal ein Rest. In diesem Fall eine amerikanische Rakete, die im Drehbuch nicht mehr unterzubringen war. Dass sich Thomalla und Wuttke am Ende selbst darüber lustig machen, gehört zu den schönsten Momenten eines insgesamt gelungenen Tatorts, der den Titel "Schwarzer Afghane" trägt, genauso gut aber auch "Weißer Phosphor" oder "Rache ist Blutwurst" heißen könnte.

Wuttke, gerade aus einem Thailand-Urlaub zurück, stößt erst auf einen vorwitzigen Zöllner, dann auf einen sehr DDR-mäßigen Schweigemaurer, der von Sylvester Groth mit gewohnter Präzision dargestellt wird. Überhaupt, das Ensemble. Anatole Taubman mit seinem abgesofteten Schweizer Dialekt ist ein Meister der Zweideutigkeit, Margrit Sartorius eine rührend liebeskranke Pädagogin, und wenn sich alle Welt auf Heimlichtuerei versteift hat, redet Ramin Yazdani, der einen exilierten Afghanen spielt, Klartext. "Schwarzer Afghane" ist das Werk von Thomas Jahn (Kamera und Regie). Jahn landete 1997 als Anfänger einen Riesencoup mit dem Til-Schweiger-Streifen "Knockin' On Heaven's Door", um ein Jahr später "Kai Raabe gegen die Vatikankiller" furchtbar in den Sand zu setzen. Dessen ungeachtet scheint er ein großes Regietalent zu sein, das viele weitere Chancen verdient hätte. Nicht nur beim Tatort. dh

Foto: MDR/Junghans