Unschlagbar! Im Umgang mit anderen Menschen ist Nina ­Kunzendorfs Kommissarin – die Conny mit der Knarre auf der Hüfte – nicht zu toppen. Wenn sie an die Gegensprechanlage eines Hauses tritt und ihr "Hier ­Kripo Frankfurt, wir würden Sie gerne sprechen" tirilliert, möchte man meinen, das Christkind stehe vor der Tür. Doch Weihnachten ist so was von vorbei in diesem Frankfurter Tatort, dass es dem Zuschauer ganz anders wird auf seinem ­Sofa. Am Ende des fünften freien Tages nacheinander trägt "Im Namen des Vaters", so der Titel dieser Folge, eine ­Über­dosis vom Leben draußen ins Haus. Eine Frau und Mutter wird ermordet aufgefunden. Rückblenden zeigen sie in lebensfroher Verkommenheit, unersättlich im Suff wie in der Liebe. "Sie trank alles außer Wasser", lässt ein Kneipenwirt die Kommissare wissen. Ach ja, neben der Kunzendorf schluft Joachim Król graugesichtiger denn je durch die Ödnis der Großstadt. Der Sohn des Opfers mag ihn als ­Kripobeamten gar nicht für voll nehmen, aber Kunzendorf ­beruhigt ihn: "Doch, doch. Der Kollege versteht sein Fach. Sehr gut sogar."

Fast wären sich die beiden, Król und Kunzendorf, sogar näher gekommen. In der Silvesternacht, als Król dem Alkohol abschwört, aber erst noch die alten Vorräte wegtrinken muss, sind sie wohl beim Du gelandet. Am Morgen danach, im Angesicht der Leiche, war ihm der Sprung über den eigenen Schatten zu groß: "Ich möchte das Du in aller Form zurücknehmen." Der Kreis der Verdächtigen bleibt, ungeachtet des Männerverschleißes der Ermordeten, übersichtlich. Ein verängstigter Pater Markus (Florian Lukas) gibt sein Wissen um die Abläufe der Tatnacht in dünnsten Salamischeiben preis. Ein alleinstehender älterer Herr (beindruckend: Rainer Bock) hat auf jede Frage eine plausible Antwort. Und dann ist da noch Burgschauspieler Paulus Manker. Er gibt als Ehemann der Dahingeschiedenen (die beiden hatten sich auf der Straße von Polizisten trauen lassen) eine virtuose Studie jener Verlierer-Aggressivität, die nur auf den Funken wartet, um lichterloh zu brennen. Ein klassischer Whodunit. Spannend bis zuletzt. Detlef Hartlap

Foto: HR/Johannes Krieg