Mit drei provokanten Billboardaufschriften macht die Souvenirverkäuferin Mildred (Frances McDormand) auf das unaufgeklärte Verbrechen an ihrer Tochter aufmerksam.
In der hochgradig oskarverdächtigen Tragikomödie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" brillieren Regie und Drehbuch genauso wie die hervorragenden Darsteller.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

KINOSTART: 25.01.2018 • Drama • GB / USA (2017) • 116 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
GB / USA
Filmstudio
Blueprint Pictures, Cutting Edge Group, Fox Searchlight Pictures, Film4 Productions
Budget
15.000.000 USD
Einspielergebnis
4.839.070 USD
Laufzeit
116 Minuten
Regie
Martin McDonagh
Music
Carter Burwell
Kamera
Ben Davis, Merrick Morton, Stephen S. Campanelli

Filmkritik

Raue Werbung für Menschlichkeit
von Andreas Günther

Ebenso ruppig wie human: Der Konflikt zwischen Recht und Rache entwickelt sich zur oscarverdächtigen Tragikomödie über die Überwindung von Gewalt und Machtmissbrauch.

"Billboards" heißen die großen hölzernen Werbetafeln an Amerikas Highways und Landstraßen. Die drei am Rande der Heimatstadt von Souvenirhändlerin Mildred (Frances McDormand) machen einen verlotterten Eindruck. Schon lange hat sie niemand mehr plakatiert. Bretter fehlen. Fragmente abgeblätterter Anzeigen bilden eine wirre Collage. Eines Abends hält Mildred an und betrachtet sie mit einer Mischung aus Verzweiflung und vager Hoffnung. Sie wird auf ihnen das unaufgeklärte Verbrechen an ihrer Tochter öffentlich anklagen. Dergleichen hat der irischstämmige Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh ("Brügge sehen... und sterben?", "7 Psychos") vor Jahren bei einer Bustour selbst gesehen und nun zum Aufhänger seines dritten und bisher besten Films gemacht. "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" ist ein fulminantes Werk über Rache und Recht – und eindringliches Plädoyer für Humanität.

Die Aufschriften, die Mildred wählt, haben es in sich. Die erste Tafel verweist darauf, dass an Ort und Stelle bereits vor Monaten Mildreds Tochter vergewaltigt, ermordet und verbrannt worden ist. Die zweite fragt sarkastisch: "Und immer noch keine Verhaftungen?" Die dritte wendet sich ironisch an den Polizeichef. Besagter Mr. Willoughby (Woody Harrelson) ist darüber außer sich, seine rechte Hand Dixon (Sam Rockwell) kocht vor Wut.

Zumindest die meisten weißen Bewohner von Ebbing stehen auf Willoughbys Seite – aus Respekt und aus Mitleid, weil er doch unheilbar an Krebs erkrankt ist. Willoughby und Dixon sehen keinen Ansatzpunkt für neue Ermittlungen im Fall von Mildreds Tochter. Stattdessen versuchen sie, durch Druck auf Mildred und den Anzeigenverkäufer Red Welby (Caleb Landry Jones) die Kampagne zu stoppen. Mildred bleibt stur. Der Konflikt nimmt gewalttätige Züge an. Und mündet überraschend in eine raue Werbung für Menschlichkeit.

Eine Tragödie für alle

Alkoholisiert, dumpfbackig, borniert und brennend vor Hass stürmt Dixon aus der Polizeistation, zerschlägt mit dem Knüppel die Glastür gegenüber, geht in den ersten Stock, schlägt Welbys Sekretärin das Gesicht blutig und schmeißt den Anzeigenverkäufer selbst aus dem Fenster, nachdem er ihn durchgeprügelt hat. Es ist das großartige Verdienst des Darstellers und seines Regisseurs, dass der Zuschauer diese Szene als Tragödie für alle empfindet – für die Opfer wie für den Täter. Alle kleinen Schwächen von McDonaghs Drehbuch sind vergessen, wenn er im weiteren Verlauf Gewalt zum Fegefeuer der inneren Wandlung seiner Figuren macht. Wer anderen etwas zuleide tut, tut sich selbst weh, und sei es nur durch eine drastische Sprache. Diese Lektion bleibt nicht abstrakt. Mildred und Dixon erfahren sie an sich selbst.

Faszinierend zeigen McDonagh und seine kreativen Mitstreiter, wie aus Bösem noch mehr Böses folgen kann – aber eben auch Gutes. In ihrer Verbitterung will Mildred eigentlich Rache, nicht Recht. Doch ihre Aktion bringt Missstände von Brutalität und Missbrauch an den Tag und ins Bewusstsein, für die Willoughbys Krebsgeschwür die Metapher ist. Aber eine Garantie für den Sieg des Guten gibt es nicht. Die Oscar-Jury, die es sehr optimistisch mag, könnte das vermissen. Gleichwohl verlangt Sam Rockwells Darbietung unbedingt höchste Würdigung, und erst recht die der großartigen Frances McDormand, die für ihre Leistung bei den Golden Globes als beste Hauptdarstellerin prämiert wurde. Verhärmt, durch das Leiden hart geworden, entschlossen, aber aus Enttäuschung auch maßlos, gibt ihre Mildred den "Abgehängten" eine Stimme.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schauspielerin Abbie Cornish.
Abbie Cornish
Die Frau mit dem unverkennbaren Gesicht: Frances McDormand.
Frances McDormand
Typischer Charakterdarsteller: John Hawkes, der eigentlich John Morvin Perkins heißt.
John Hawkes
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Schauspieler Sam Rockwell im Starporträt.
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