Carmen X besucht ihren Onkel Jean-Luc, einen ehemaligen Regisseur, der in einer psychiatrischen Anstalt lebt. Sie will ihn für ein neues Filmprojekt gewinnen. Was er nicht ahnt: Die Filmaufnahmen dienen nur als Tarnung für ein Verbrechen. Kompliziert wird die Sache für Carmen, als sie ausgerechnet mit einem Sicherheitsbeamten eine leidenschaftliche Affäre beginnt ...

In äußerst losen Zusammenhängen (zwischen einem Banküberfall, einem alternden, in letzter Zeit erfolglosem Regisseur, einer Entführung und einem Beethoven-spielenden Streichquartett, gespiekt mit Zitaten der Bizet-Oper) zeigt uns Jean-Luc Godard wieder einmal sehr überzeugend die Beschränktheit des amerikanischen Unterhaltungskinos. Ein gelungenes Spätwerk, in dem es Godard sich nicht nehmen ließ, die Rolle des verrückten Regisseurs selbst zu spielen. Er hatte offenbar viel Spaß daran, im Bild herumzulaufen und den Darstellern Regieanweisungen zu geben. Mit der tragikomischen, freizügigen und zynischen Adaption des "Carmen"-Motivs gelang ihm einer seiner stilsichersten Filme. Die alte "Carmen"-Geschichte nach Prosper Merimée verlegte er kurzerhand in ein Terroristenmilieu der Gegenwart. Eine wichtige Rolle spielt - wie in vielen Godard-Filmen - die Musik. In die Handlung eingeflochten sind Musiker, die Streichquartette von Beethoven einstudieren. Und wie ein Beethovenquartett ist sein Film auch gebaut: Zwischen den schnellen Sätzen (Allegro) befindet sich ein ausgedehnter, beinahe meditativer, langsamer Teil (Adagio), ein ruhiger Bilderfluss aus Meeresbrandung, Sex - und eben Beethoven. Maruschka Detmers hat in diesem Film zahlreiche Nacktauftritte, was ihr zu einem Karriere-Schub verhalf.

Foto: Kinowelt