Helfer auf der "Mare Nostrum" geleiten die Flüchtlinge auf den riesigen Rettungskreuzer.
In seinem berührenden Dokumentarfilm "Eldorado" deckt Markus Imhoof auf, dass verheißungsvolle Goldfolie gegen Unterkühlung meist das Einzige bleibt, was wir den perspektivlosen Flüchtlingen letztlich anbieten.

Eldorado

KINOSTART: 26.04.2018 • Dokumentarfilm • CH / D (2018) • 95 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Eldorado
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
CH / D
Laufzeit
95 Minuten

Filmkritik

Unter gleichen Sternen
Von Gabriele Summen

"Wir leben alle unter gleichen Sternen", schreibt das Flüchtlingsmädchen Giovanna kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs an den Regisseur Markus Imhoof. Seine italienische Schwester im Geiste gehörte zu jenen Kriegsopfern, welche die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs für begrenzte Zeit aufnahm. Diese persönliche Geschichte über seine angenommene Schwester nimmt der vielfach prämierte Imhoof ("More Than Honey") als Ausgangspunkt für seinen Dokumentarfilm "Eldorado" über die Flüchtlingsproblematik von heute. Thematisch knüpft er damit an seinen Spielfilm "Das Boot ist voll" aus dem Jahre 1981 an.

Zu Beginn des Films gibt es "nur" ähnlich erschreckende Szenen zu sehen, wie man sie bereits aus den Nachrichten kennt: Flüchtlinge, die beinahe ertrinken, Menschen in überfüllten Rettungsbooten, Helfer, Soldaten und Ärzte, die die unterkühlten Afrikaner in Goldfolie hüllen und ihnen Erste Hilfe leisten. Doch diese Goldfolie soll das Einzige sein, was die aus ihrem Heimatland Geflohenen vom verheißungsvollen "Eldorado Europa" erhalten. Fast ausnahmslos werden sie irgendwann wieder in ihre perspektivlose Heimat zurückgeschickt, nachdem sie durch die europäische Verwaltung geschleust wurden.

Einige der Bilder aus Markus Imhoofs neuestem "Flüchtlingsfilm" hat man so bereits im Fernsehen oder in Ai Weiweis Dokumentarfilm "Human Flow" (2017) gesehen, doch die persönliche Ebene und Imhoofs hartnäckige Recherche machen seinen Film zu etwas Besonderem.

"Die Glücklichen verwalten die anderen", kritisierte Imhoof auf einer Pressekonferenz während der Berlinale, wo sein Film außer Konkurrenz Premiere feierte. Der Regisseur lässt den Zuschauer an den einzelnen Stationen der Flüchtlinge teilhaben – immer im imaginären Off-Dialog mit seiner Flüchtlingsschwester Giovanna. Die musste die inhumane Schweizer Politik im Alter von 14 Jahren mit dem Leben bezahlen, da die Halbwaise gegen den Willen der Imhoof'schen Familie zurück ins zerbombte Mailand geschickt wurde.

Elendige Odyssee in Europa

Imhoof zeigt, wie 1800 Menschen im riesigen Schlund auf einem Rettungskreuzer der Mission "Mare Nostrum" vorläufig Schutz finden. Mit der Abnahme der Fingerabdrücke beginnen ihre elendige Odyssee in Europa und das Ende ihres Traums von einem besseren Leben. Laut der Dublin-Verordnung müssen die Flüchtlinge in dem Land um Asyl bitten, das sie zuerst betreten haben – also in der Regel an den EU-Außengrenzen Italien, Griechenland oder Ungarn. Traumatisierte Menschen landen in überfüllten italienischen Aufnahmelagern, wo sie zum Nichtstun verdammt sind.

Als Alternative bleibt ihnen nur die Möglichkeit, für die Mafia unter unmenschlichen Bedingungen Tomaten zu ernten. Sie werden zu rechtlosen Menschen in übelsten Gettos, die Imhoof und sein Team heimlich filmen konnten. Wie moderne Sklaven verdienen sie läppische 15 Euro am Tag. Den Frauen bleibt oft nur die Wahl, sich zu prostituieren – allabendlich stehen vor den erbärmlichen Baracken italienische Männer Schlange.

Andere flüchten weiter in die Schweiz, werden dort aber bereits an der Grenze entweder aus den Zügen gefischt oder landen bis zur Abschiebung in beklemmenden und beengten Zivilschutzanlagen unter der Erde, während über ihnen die prächtigen Schweizer Berge in die Höhe ragen.

Imhoofs sanft beobachtender Film weckt im Zuschauer den Ärger darüber, wie mit Flüchtlingsleid umgegangen wird, aber auch das Gefühl, als Einzelner unter dem großen Sternenzelt darauf Einfluss nehmen zu können.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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