Als Hugh Jackman im Jahr 2000 die Rolle des Mutanten Wolverine übernahm, markierte dies den Beginn seiner Hollywoodkarriere. 17 Jahre und neun Filme später gibt er nun zum letzten Mal den krallenbewährten Helden – und Regisseur James Mangold hat das geschafft, worauf die Fans der X-Men-Reihe lange warten mussten: "Logan – The Wolverine" wird der Figur des beliebtesten Mutanten in vollem Maße gerecht.

Mangold hat einen Film inszeniert, der es versteht, in den richtigen Momenten ernst zu bleiben, der aber nur wenige Augenblicke später auch in voller Härte austeilen kann. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. In den USA hat der Film keine Jugendfreigabe erhalten und auch in Deutschland ist "Logan – The Wolverine" erst ab 16 Jahren freigegeben. Ein Schachzug, der den Machern nicht nur viele Freiheiten einräumte, sondern der nach dem Erfolg von "Deadpool" auch als Marketing-Instrument benutzt wurde.

Logans Nachfolgerin?

"Logan – The Wolverine" spielt im Jahr 2029. Der Protagonist führt ein unaufgeregtes Leben an der mexikanischen Grenze und arbeitet als Chauffeur. Gemeinsam mit dem Mutanten "Caliban" pflegt er zudem den ebenfalls in die Jahre gekommenen Charles Xavier (Patrick Stewart), der seit einiger Zeit an Anfällen leidet, die teilweise verheerende Folgen nach sich ziehen.

Doch nicht nur Professor X leidet unter seinem Alter, auch Logan muss mit den Folgen vergangener Tage leben. Seine Selbstheilungskräfte schwinden, seine Wunden verheilen nicht mehr in wenigen Sekunden und sein Kröper ist von tiefen Narben gezeichnet. Er ist ein alternder Mann im Ruhestand, dessen Lebensmut schon lange vergangen zu sein scheint.

Erst mit der jungen Mutantin Laura (Dafne Keen), die über ähnliche Kräfte wie Logan verfügt, nimmt sein Dasein eine neue Richtung. Er soll das junge Mädchen sicher nach North Dakota bringen, um es vor den sogenannten "Reavers" zu schützen. Im Gegenzug bekomme er von Lauras Mutter 50.000 US-Dollar. Nur widerwillig lässt sich Logan darauf ein, stimmt dem Deal letztendlich aber zu.

Ein Superhelden-Film, der viel anders und viel richtig macht

Trotz der eher simpel gestrickten Story kommt nie das Gefühl von Vorhersehbarkeit auf. Zumal es der Film versteht, sich an den passenden Stellen Zeit zu nehmen und auch längere, langsamere Passagen einzubauen. Das ist im Vergleich zu Superheldenverfilmungen der vergangenen Jahre, in denen ein Achtion-Highlight das andere jagen musste, tatsächlich eine erfrischende Abwechslung. So werden Kampfszenen nur dann eingebracht, wenn sie für den Verlauf des Films auch einen Sinn ergeben, statt sie inflationsartig zu nutzen.

Kommt es dann allerdings zu Actionszenen, wird an Brutalität nicht gespart. Wolverines Klingen werden regelmäßig – und mit viel Liebe zum Detail – dafür eingesetzt, Feinden ihre Gliedmaßen abzutrennen oder sie ihnen direkt durch ihr Gesicht zu rammen. Und trotz dieser Härte wirkt die Inszenierung nie unnötig übertrieben oder droht ins "Splatter"-Genre abzudriften, zumal Logan aufgrund seiner verminderten Selbstheilungsfähigkeit immer daran interessiert ist, einen Kampf so schnell wie möglich zu beenden. Das ist nicht nur glaubwürdig, sondern lässt Wolverine zum ersten Mal verletzbar, zum Teil sogar menschlich wirken. In der Konsequenz stellt sich so auch nicht das Gefühl ein, dass der Held – egal was passieren wird – ohnehin gewinnt. Lediglich Logans bröckelnde Psyche tritt nur selten in Erscheinung. Ob das mangelnder Erzähltiefe oder Logans unergründlichem Charakter geschuldet ist, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Gelungener Cast

Schauspielerisch ragt neben Hugh Jackman vor allem Dafne Keen als Mutantin Laura heraus. Die junge, 2005 in Spanien geborene Darstellerin verleiht ihrer Rolle einen Ausdruck, der an ein in die Enge getriebenes Tier erinnert, das sich mit aller Gewalt zu wehren versucht. Die Tatsache, dass sie zum Zeitpunkt der Dreharbeiten kaum älter als zehn Jahre alt war und in ihren Kämpfen dennoch keinen Deut harmloser zu Werke geht als Logan, wirkt entsprechend umso erschreckender.

So ist "Logan – The Wolverine" Erwachsenenunterhaltung auf Top-Niveau. Die düstere Story um einen nicht mehr unbesiegbaren, gealterten Helden, harte Actionszenen und die dichte Atmosphäre fesseln den Zuschauer. Und Hugh Jackman bekommt für seine Paraderolle den Abschied, den er verdient hat.