Das Wort "solide" steht unter Verdacht. In Zeiten, da sich die Tatort-­Krimis mithilfe von Komik (Münster, Saarbrücken), polizeilichem Selbstzweifel (München) oder dramatischer Hirnrissigkeit (Bremen, Hamburg) aus der niederen Welt der Ermittlungsarbeit verabschiedet haben, wirken solide konstruierte Fälle wie Fachwerk im Neubauviertel. Beim neuen Tatort aus Köln handelt es sich um einen soliden Fall und einen richtig guten Film. Keine Geheimdienst-Fantasien oder ­pyrotechnischen Sperenzchen, dafür eine Geschichte aus dem Familienleben, die nicht treffender als mit "Trautes Heim" betitelt sein könnte.

Auf dem Weg zum Fußballtraining wird der kleine Lukas entführt. Gerade hatte er über seine Kopfhörer das neueste Abenteuer von Weltraumheld Captain Mojo verfolgt: "Alle Gegenwehr ist zwecklos ..." Einiges geht in die Brüche. Ein Motorradfahrer will Lukas helfen und wird von der Panik der Täter zermalmt. Zwei Frauen, die sich im Glauben wiegen, es stünde alles bestens um ihre Familie, werden brutal aus dem jeweiligen Wolkenkuckucksheim verstoßen. Eine Alibi-Beschaffungsagentur wird enttarnt. Vor allem aber stürzt das Kartenhaus ein, das sich Roman Sasse (stark: Barnaby Metschurat) in einer Mischung aus Feigheit und Organisationstalent gebaut hatte. Sein Doppelleben ist der Ursprung allen Übels, aber es könnte, so darf man den Schluss deu­ten, in abgemilderter Form weitergehen: Alle Gegenwehr ist zwecklos ... Detlef Hartlap

Foto: WDR/Martin Menke