Ach, was hätte man aus Langeoog machen können! So eine schöne Insel mit einem Fahrradweg hinter den Dünen, der nach Osten hin kurz und nach Westen lang ist. Mit einer Inselbahn, die durch dichte Buschwälder führt. Beides wäre eine prima Szenerie gewesen. Der Tatort Mord auf Langeoog nutzt das nicht. Er weiß auch mit den Fähigkeiten Wotan Wilke Möhrings, der ständig mit den Nerven am Ende zu sein hat, nichts anzufangen. Oder mit dem trefflichen Rainer Bock, der unser Kandidat für einen Stephen-King-Film wäre. Langeoog? Der Strand ist perlweiß, die Wellen brechen sich, ab und zu kreischen Möwen. Nebensaison. Tote Hose.

Regisseur Stefan Kornatz verschenkt den Schauplatz. Dem Watt ringt er einen lausigen Gag ab. Eine Galeristin ist ermordet worden. Ihr jugendlicher Liebhaber wird neben der Leiche gefunden. Sehr verdächtig. Möhring, der sich als "Falke aus Hamburg" vorstellt, urlaubt gerade auf Langeoog und glaubt nicht an die Schuld des Jungen. Bildlich gesprochen: Er radelt gegen den Wind, der den Weg nach Westen so weit macht. Nina Kunzendorf gibt die diensthabende Kommissarin aus Aurich. Sie zählt 1 und 1 zusammen, spürt den Wind im Rücken und verhaftet den Jungen. Wer hat am Ende Recht? Ist doch klar bei so einem Tatort aus der Dose. Außerdem ist Möhring zu zweit. Petra Schmidt-Schaller eilt an seine Seite. Kunzendorf unterliegt mit Grazie. dh

Foto: © NDR/Boris Laewen