Die 32-jährige Tini Bürger kennt nur einen Chef: Teufel Alkohol. Seit ihr Lebensgefährte Lassnik vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, steht sie mit ihrer Tochter Nessi allein da. Depressionen bestimmen die Tage und Nächte vor dem ständig laufenden Fernseher. Ihre 13-jährige Tochter organisiert den Haushalt, das Essen und pflegt für ein paar Euro ihre "angebliche Großmutter". An einem frühen Morgen wird Nessi Zeugin, wie ein Mann an einer Tankstelle erschossen wird. Was genau hat Nessi gesehen?

Nach Christian Züberts Fall "Tatort - Nie wieder frei sein", eine der stärksten Münchner "Tatort"-Folgen überhaupt, legte Regisseur Peter Fratscher diesen Krimi eher wieder als Sozialdrama an. Fratscher, der mit Nemec und Wachtweitl in der Vergangenheit schon Episoden wie "Tatort - Einmal täglich", "Tatort - Der Fremdwohner", "Tatort - Der Finger" oder "Tatort - Um jeden Preis" inszenierte, taucht hier nach dem Drehbuch von Peter Probst ("Freiwild - Ein Würzburg-Krimi", "Der Mann von nebenan lebt!") in das München der einfachen Leute ein und zeigt, dass auch in einer der reichsten Städte Deutschlands durchaus Armut zu finden ist. Die Krimi-Handlung im klassischer Whodunit-Manier wird dabei allerdings etwas vernachlässigt und zieht sich ein wenig zäh bis zur Überführung hin. Achten Sie auf Jens Atzorn, Sohn des ehemaligen Hamburger Kommissar-Darstellers Robert Atzorn in einer kleinen Nebenrolle!

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