Ob es je einen Tatort gegeben hat, in dem so viel geprügelt, getreten, gespuckt wurde? Ich kann mich an keinen erinnern. Simone Thomalla und Martin Wuttke, die für die Tatort-Reihe in Leipzig unterwegs sind, werden zu den ­Ermittlungen eines Überfalls auf ein Ehepaar hinzugezogen. Die Frau liegt im Koma und hat, wie sich herausstellt, infolge der Tritte dreier Rowdys ihr Baby verloren; er (Stefan Kurt) ­hadert mit dem Schicksal und der Erfolglosigkeit der Polizei bei der Täter-Ermittlung. Ein Tatort mit Stefan Kurt, mit Wotan Wilke Möhring als Streifenpolizist und dem Ausnahmetalent Jonas Nay als einer der Rowdys, dazu Martin Wuttke, dem man immer gern zuschaut, lässt von vornherein eine außergewöhnliche Folge erwarten.

"Todesschütze", so der Titel, enttäuscht nicht. Dass ein Polizist ein Verbrechen kaschieren will, weil sein Sohn beteiligt war, ist klassische Tragödienware, und eine Tragödie entwickelt sich denn auch. Stefan Kurts Wandlung vom konfliktscheuen Kunstlehrer zum (unbeholfenen) Rächer mit Schießeisen ist zudem aller Ehren wert. Ein spannender, ja berührender Fall. So ganz verlassen wir aber auch in Leipzig das Terrain der Dutzendware Tatort nicht. Wer will und am Sonntag genau hinschaut, darf mir gern folgende Fragen beantworten:

  • Kann einem, der unter Parkinson leidet, ein komplizierter Fernschuss gelingen?
  • Woher weiß der Gerichtsmediziner, dass Stefan Kurth "ganz in der Nähe" des Todesschuss-Tatorts war?
  • Zu welchem dramaturgischen Zweck verschüttet WW Möhring im Streifenwagen Kaffee aus seiner Thermoskanne?
Detlef Hartlap

Foto: MDR/Junghans