Tommy (James Franco) will "das größte Drama seit Tennessee Williams" auf die Leinwand bringen. Am Ende wird "The Room" ein Desaster.
"The Disaster Artist" ist ein ziemlich guter Film über einen ziemlich miesen Film: das Trash-Drama "The Room".

The Disaster Artist

KINOSTART: 01.02.2018 • Komödie • USA (2017) • 104 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Disaster Artist
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Budget
10.000.000 USD
Einspielergebnis
21.076.704 USD
Laufzeit
104 Minuten
Regie
Music
Kamera

Filmkritik

Eine ziemlich amerikanische Heldengeschichte
Von Sven Hauberg

Der Film "The Room", dessen Geschichte James Francos "The Disaster Artist" erzählt, ist so etwas wie der "Cititzen Kane" des schlechten Geschmacks: Seit Jahren führt das Drama aus dem Jahr 2003 verlässlich die wichtigsten Listen der schlechtesten Filme aller Zeiten an. Und das, wie sich etwa bei YouTube überprüfen lässt, wo der Film ganz oder in Teilen nachzuschauen ist, völlig zu Recht. Alles ist hier mies: jede Szene, jeder Satz, jede Geste. Tommy Wiseau, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion, wollte nach eigener Aussage ein großes, amerikanisches Gesellschaftsdrama erzählen – entstanden ist ein grauenvoll gespieltes "Reich und Schön" für Arme.

Wer wissen will, wie man einen guten Film dreht, sollte sich "The Room" anschauen. Und dann das genaue Gegenteil machen. Es wäre nun einfach, sich über solch ein Machwerk lustig zu machen. Und natürlich ist "The Disaster Artist" auch verdammt komisch. Aber James Franco erzählt mit seinem Film über den Film vor allem eines: eine ziemlich amerikanische Heldengeschichte. In "The Disaster Artist" ist "The Room"-Macher Wiseau keine Witzfigur, sondern ein Träumer, einer, der seinem ganz eigenen American Dream hinterherstolpert.

Worum es in "The Room" geht, weiß niemand

Der Film beginnt 1998, als Wiseau bei einem Schauspielworkshop auf Greg Sestero trifft, mit dem er später "The Room" drehen wird. James Franco spielt Tommy Wiseau, sein jüngerer Bruder Dave Franco ist Greg Sestero. Greg hat Talent, ein bisschen zumindest, Tommy hingegen hat etwas weitaus wichtigeres: Er glaubt an sich. Mit Greg zieht Tommy nach Los Angeles, nach Hollywood. Als es hier aber doch nicht so klappt mit der großen Karriere, beschließt Tommy, seinen eigenen Film zu drehen.

Er schreibt ein Drehbuch ("das größte Drama seit Tennessee Williams"), engagiert eine Filmcrew, mietet ein Studio und kauft Equipment. Woher er all das Geld für diese wahnwitzige Aktion hat, verrät er nicht. Sechs Millionen Dollar soll der Spaß gekostet haben. Immer wieder muss man sich als Zuschauer kneifen und daran erinnern, dass das hier tatsächlich eine wahre Geschichte ist. Worum es in "The Room" schließlich geht, weiß am Set niemand außer Wiseau selbst. Zu bizarr ist die Dreiecksgeschichte, die er zu Papier gebracht hat. Aber egal: Wer zahlt, schafft an.

Irgendwann, nach mehreren Drehtagen, hat Wiseau seinen ersten Auftritt vor der Kamera. Es ist ausgerechnet jene Szene, die heute in keinem Best-of der schlechtesten Momente aus "The Room" fehlt: Wiseaus Alter Ego, dem seine Freundin fälschlicherweise vorgeworfen hat, sie geschlagen zu haben, tritt zornentbrannt aufs Dach seines Hauses. "I did not hit her. I did not!", plärrt er mit verzerrtem Gesicht in die Kamera, nur um sich dann freundlich lächelnd seinem von Greg Sestero gespielten Freund zuzuwenden: "Oh, hi Mark!"

James Franco spielt seine beste Rolle

In "The Disaster Artist" spielt Franco seine beste Rolle bislang. Perfekt imitiert er jede Geste Wiseaus, sein seltsam gequältes Lachen und seinen merkwürdigen Akzent (woher Wiseau wirklich stammt, weiß niemand). Nie lässt Franco ihn dabei zur Karikatur werden, stets behält dieser seltsame Filmemacher seine Würde. Zu "99,9 Prozent" habe Franco ihn getroffen, erzählte Tommy Wiseau kürzlich bei Jimmy Kimmel. Für diese Leistung hätte Filmfanatiker Franco nach seinem Golden Globe eigentlich auch einen Oscar als Bester Schauspieler verdient. Nach Anschuldigungen gegen ihn im Zuge der "MeToo"-Kampagne ist eine Auszeichnung aber fraglich.

Dabei ist "The Disaster Artist" eigentlich der perfekte Film zum Wundenlecken im Post-Weinstein-Post-Spacey-Hollywood. Nach all dem Schmutz wird hier eine Geschichte erzählt, wie sie Hollywood liebt. Tommy Wiseau ist einer, der trotz seines grimmigen Äußeren davon träumt, einen Helden zu spielen und nicht einen Gangster, wie das all die Agenten für ihn vorgesehen haben. Und zum Helden wird er ja schließlich, wenn sein missratener Film plötzlich als Kultstreifen gilt.

Einmal, während des Drehs zu "The Room", sagt eine der Schauspielerinnen in Francos Film, auch noch der schlechteste Tag an einem Filmset sei besser als der beste Tag woanders. Besser ließe sich das Selbstverständnis Hollywoods nicht zusammenfassen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Begann seine Karriere bereits 1997: James Franco.
James Franco
Lesermeinung
Smarter Typ: Schauspieler Josh Hutcherson.
Josh Hutcherson
Lesermeinung
Comedian, Schauspieler und Drehbuchautor: Seth Rogen.
Seth Rogen
Lesermeinung
Alterslose Schönheit: Sharon Stone.
Sharon Stone
Lesermeinung
Zac Efron
Lesermeinung
Mit "Scrubs - Die Anfänger" zu weltweitem Erfolg: Zach Braff
Zach Braff
Lesermeinung
"Malcolm mittendrin" und "Breaking Bad": Bryan Cranston kann sich seine Rollen aussuchen.
Bryan Cranston
Lesermeinung
Weitere Darsteller
Dave Franco Ari Graynor Dave Franco Alison Brie Ari Graynor Jacki Weaver Megan Mullally Hannibal Buress Jason Mantzoukas Paul Scheer Andrew Santino June Diane Raphael Nathan Fielder Judd Apatow J.J. Abrams David DeCoteau Lizzy Caplan Kristen Bell Keegan-Michael Key Adam Scott Danny McBride Dylan Minnette Kate Upton Angelyne  Kevin Smith Ike Barinholtz Bob Odenkirk Brett Gelman Jessie Hannah Ennis Charlyne Yi Tom Franco Zoey Deutch Sugar Lyn Beard Brian Huskey Randall Park Jerrod Carmichael Christopher Mintz-Plasse Casey Wilson Jason Mitchell Greg Sestero Tommy Wiseau John Early Eliza Coupe Peter Gilroy Kelly Oxford Erin Cummings Michelle Arthur Ricky Mabe Shane Ryan Tamzin Brown Cate Freedman Amechi Okocha Cameron Brinkman Nicole Gordon-Levitt Elizabeth Hirsch-Tauber Jenna Curtis Frederick Keeve Adwin Brown Slim Khezri Corey Weber Phillip E. Walker Katherine Neff Taylor Laughlin Johnny Meyer Xhuliano Ujka Tearra Oso Vince Chavez Isaac Phillips Krista West Aidiye Aidarbekov Kara Gibson Resit Berker Enhos Steven Liu Tudor Munteanu Frank Lui Geo Bill Rojas Mark Anthony Petrucelli Zhubin Rahbar Javi Sánchez-Blanco Boyer Jolie Mitnick Salter Ramona Tibrin Frankie Ponce Vincent Marinelli Adonis Simmons Elena Cristiean Cerra Angela Vallentine Ron Saylor Danny Finneran Eloho Josephine Okujeni Dan Byelich Cynthia Natera Jordan Daem Max Valentine Lauren Ash Dree Hemingway Joe Mande Karen Macarah Megan Ferguson Xosha Roquemore Kether Donohue Jessie Ennis Dave Franco Ari Graynor Jacki Weaver Andrew Santino Nathan Fielder Lauren Ash Brian Huskey Jeffrey C. Goodell Angelyne  Ike Barinholtz Kevin Smith Keegan-Michael Key Adam Scott Danny McBride Kristen Bell J.J. Abrams Lizzy Caplan

BELIEBTE STARS

Carin C. Tietze in "Der Kriminalist"
Carin C. Tietze
Lesermeinung
HipHop-Superstar und Schauspieler: LL Cool J
LL Cool J
Lesermeinung
Michael York - der englische Gentleman - in
"Rosamunde Pilcher - Vier Jahreszeiten"
Michael York
Lesermeinung
Schauspieler mit Wrestling-Vergangenheit: Dwayne "The Rock" Johnson.
Dwayne Johnson
Lesermeinung
Andreas Hoppe als Tatort-Kommissar Mario Kopper
Andreas Hoppe
Lesermeinung
Spielt gern den harten Kerl: Vin Diesel.
Vin Diesel
Lesermeinung
War auch als Rap-Sänger erfolgreich: Mark Wahlberg.
Mark Wahlberg
Lesermeinung
Sunnyboy und Oscar-Preisträger aus Wales: Christian Bale.
Christian Bale
Lesermeinung
Gab sein Leinwand-Debüt bereits 1977: Mel Gibson.
Mel Gibson
Lesermeinung
Wuchs in Cambridge, Massachusetts auf: Ben Affleck.
Ben Affleck
Lesermeinung