Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) hat nicht mehr viel Spaß an seiner Arbeit für den Bundesnachrichtendienst.
Weder schwarz noch weiß: "Das Ende der Wahrheit" ist ziemlich grau, wie Regisseur Philipp Leinemann in seinem famosen Geheimdienstthriller zeigt.

Das Ende der Wahrheit

KINOSTART: 09.05.2019 • Drama • D (2017) • 105 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
105 Minuten

Filmkritik

Alles zerfällt
Von Andreas Fischer

Ein Geheimdienst-Thriller aus Deutschland – kann das gutgehen? Und wie! "Das Ende der Wahrheit" ist ein komplexer, spannender und gut fotografierter Kinofilm von Format.

In Kategorien wie Schwarz und Weiß lässt sich die Welt schon lange nicht mehr fassen. Die Wahrheit kleidet sich meist grau. Das muss auch Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) erkennen, der in dem komplexen und spannend erzählten deutschen Geheimdienst-Thriller "Das Ende der Wahrheit" an seinem Job, an seinen Vorgesetzten, an seiner eigenen Verantwortung verzweifelt.

Der Film beginnt mit trügerischer Ruhe, ganz beschaulich in einer Hütte an einem oberbayrischen See. Dorthin hat sich Behrens mit seiner Geliebten Aurice Köhler (Antje Traue) zurückgezogen. Ihre Liaison muss geheim bleiben, wie so vieles in Behrens' Leben. Der Zentralasien-Experte arbeitet für den BND, seine Aufgabe ist es, Informationen über potenzielle oder bekannte Terroristen zu beschaffen. Dass seine Geliebte Journalistin ist und offenbar an einer großen Geschichte über die Verstrickungen hoher Beamter in Waffengeschäfte recherchiert, das darf und will er nicht wissen.

Er ist Teil eines Systems, das Informationen aus Asylbewerbern presst, das mit anderen Geheimdiensten zusammenarbeitet, das den Tod unschuldiger Kinder bei Drohnenangriffen billigend in Kauf nimmt. Auch Behrens geht bei seiner Arbeit nicht immer nach demokratischen Prinzipien vor: Er setzt Menschen unter Druck, nutzt ihre Angst, verspricht ihnen Unmögliches und liefert sie dann ans sprichwörtliche Messer. So wie es offenbar Usus ist in Geheimdienstkreisen.

Regisseur und Drehbuchautor Philipp Leinemann ("Wir waren Könige") taucht tief ein in die Welt der deutschen Nachrichtendienste und hat dafür augenscheinlich gründlich recherchiert. Auch wenn "Das Ende der Wahrheit" natürlich ein Kinofilm ist – mit großen Bildern übrigens -, ein Geheimdienst-Thriller, der eine fiktive Geschichte erzählt, so ist er doch auch eine Zustandsbeschreibung – nicht nur der Arbeitsweise des BND und der Verflechtungen der Mitarbeiter in Politik und Wirtschaft. Sondern vor allem der Gesellschaft, in der wir leben, und die in rasendem Tempo immer zynischer wird.

"Wir können nicht mehr vernünftig Krieg führen", beschweren sich die Männer (Axel Prahl, Alexander Fehling) hinter der Firma "Global Logistics", die sich tief in den inneren Strukturen des BND eingenistet hat, und finden, dass die pluralistische Gesellschaft ein Problem sei. Was die Waffenhändler damit meinen: Exportverbote für Waffen gehören verboten, und die da unten sollen sich doch alle gegenseitig über den Haufen schießen. Das wird schon passen für die Sicherheitslage in Deutschland. Und wenn sich die Situation in ein paar Monaten geändert hat, dann lassen wir die Amerikaner eben von Ramstein aus ein paar Drohnenangriffe fliegen.

Auch der von Roland Zehrfeld bravourös gespielte Martin Behrens ist zunächst einmal mitnichten ein guter Mann, doch ein Terrorangriff in der Münchner Innenstadt ist der Auslöser einer inneren Wandlung. Behrens lässt seine lange schlummernden Zweifel frei, hinterfragt das System und seine Protagonisten. Das geht bei Philipp Leinemann weniger über Hollywood-ähnliche Knalleffekte, sondern über das Erwachen des Gewissens eines Einzelnen. Sein Protagonist zerfällt innerlich immer mehr, so wie die Sitten im Land und die Moral in den Behörden. "Wir nutzen Menschen und ihre Schwächen aus, das ist unser Beruf": Besser als Behrens' Chefin (Claudia Michelsen) kann man es nicht auf den Punkt bringen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Axel Prahl als Münsteraner "Tatort"-Ermittler
Axel Prahl
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