In "Eine ganz heiße Nummer 2.0" wollen drei Freundinnen mit der Teilnahme an einem Tanzwettbewerb ihr Dorf retten. Trotz einer großartigen Gisela Schneeberger reicht die Fortsetzung nicht an Witz und Esprit des Originalfilms heran.

Da war im gottesfürchtigen Marienzell doch wahrlich die Hölle los. Als herauskam, dass sich die drei Freundinnen Waltraud (Gisela Schneeberger), Maria (Bettina Mittendorfer) und Lena (Rosalie Thomass) mit einer Telefonsexhotline ein neues berufliches Standbein aufgebaut hatten, war die Empörung groß. So groß, dass die wütende Dorfgemeinschaft doch glatt mit Mistgabeln und brennenden Fackeln vor dem Haus stand. Die Ehre des bayerischen Provinzkaffs war schließlich beschmutzt – eine Schande sondergleichen, Jessas Maria! Es war der Höhepunkt der Komödie "Eine ganz heiße Nummer", die 2011, also noch vor dem Eberhofer-Hype, beachtliche 1,3 Millionen Zuschauer ins Kino lockte. Acht Jahre später sieht sich das Frauentrio in der Fortsetzung, für die nun Regisseur Rainer Kaufmann ("Und wer nimmt den Hund?") verantwortlich zeichnet, ganz anderen Problemen ausgesetzt.

Es ist zappenduster in Marienzell. Junge Familien zieht es weg aus der ländlichen Idylle, Geschäfte schließen, und nur die Alteingesessenen halten noch die Stellung. Der Grund allen Übels, so berichtet die Erzählstimme Gisela Schneebergers, ist das fehlende "Hei-Schbied", soll heißen: schnelles Internet gibt es nicht in Marienzell. Besserung wird von Bürgermeister Franz Oberbauer (Johann Schuler) schon lange gelobt, doch eine zukunftsträchtige Internetverbindung ist nicht in Aussicht. Das angepriesene Glasfaserkabel selbst zu bezahlen, kommt angesichts der klammen Dorfkasse und der enormen Kosten auch nicht infrage.

Der leopardfarbene Silberstreif taucht dann aber am Horizont auf: Laufstegikone Jorge González, der in der Nachbargemeinde Josefskirchen einen Tanzwettbewerb mit einem Hauptgewinn von 10.000 Euro ausrichtet. Eine perfekte Gelegenheit, findet Lena und versucht, der Dorfgemeinschaft die Teilnahme schmackhaft zu machen. Statt Begeisterung erntet sie allerdings nur Spott und Hohn. Lediglich ihre treuen Freundinnen Maria und Waltraud kann sie nach langer Überzeugungsarbeit zum Mitmachen bewegen. Mithilfe des engagierten Busfahrers Loisi (Tristan Seith), der ein Auge auf Maria geworfen hat, starten die "Highspeed Ladies" in ihr Training und zur Mission Dorfrettung.

"Eine ganz heiße Nummer 2.0" behandelt mit der Landflucht und der fehlenden Breitbandabdeckung Themen, die in der bayerischen Provinz aktueller nicht sein könnten. Bilder von leerstehenden Ladenzeilen, die Perspektivlosigkeit und die Überalterung der Landbevölkerung fängt der 90-Minüter lebensnah ein. Die eigentliche Geschichte um die Teilnahme am Tanzwettbewerb gerät wegen unzähliger Nebenschauplätze aber zunehmend aus dem Fokus. Während Lena ihren pornosüchtigen Freund Willi (Matthias Ransberger) verlässt, hat auch Waltraud genug von Gatte Heinz (Felix von Manteuffel), der sich lieber mit seinem Auto als mit seiner Frau beschäftigt.

Die fehlende Originalität der Handlung versucht Regisseur Rainer Kaufmann mit Szenen auszugleichen, die bisweilen zum Fremdschämen sind. Wenn die machthungrige Bürgermeistergattin Moni (Franziska Schlattner) die oberkörperfreien Männer bei den spontan eröffneten Bauarbeiten an einer Glasfasertrasse via Megafon mit Arbeiterliedern motiviert, würde man am liebsten im Kinosessel versinken. Vor einem totalen Systemfehler rettet die Fortsetzung des Erfolgsfilms Gisela Schneeberger. Die gebürtige Oberbayerin zeigt eine bemerkenswerte darstellerische Leistung und legt – sie wird am Starttermin des Films 71! – eine flotte Sohle aufs Parkett. Die unbeholfenen Versuche Waltrauds und ihrer Freundinnen, beim Tanztraining mit Jorge González eine gute Figur abzugeben, entschädigen für das mäßige Drehbuch. Alles in allem wird man bei "Eine ganz heiße Nummer 2.0" aber das Gefühl nicht los, dass es auch ein Fernsehfilm locker getan hätte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst