Charlize Theron muss als Agentin im Berlin kurz vor dem Mauerfall ein bisschen Drecksarbeit für den MI6 erledigen. Natürlich mit Stil.

Atomic Blonde

KINOSTART: 24.08.2017 • Action • USA (2017) • 111 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Atomic Blonde
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Filmstudio
Focus Features, Denver & Delilah Productions, 87Eleven, Sierra/Affinity, Closed on Mondays Entertainment, TGIM Films, Film i Väst
Budget
30.000.000 USD
Einspielergebnis
61.719.575 USD
Laufzeit
111 Minuten
Regie
David Leitch
Music
Tyler Bates
Kamera
Jonathan Sela, Kata Vermes, Frank Buono, Jonathan Prime, Jörg Widmer, Botond Aszalós

Filmkritik

Eiskalt in der Wanne
von Andreas Fischer

Eiskalt, aber kein Engel: Wenn sich Charlize Theron kurz vor dem Mauerfall durch Berlin ballert, kann James Bond getrost seine Unterhosen bügeln gehen. Als knallharte "Atomic Blonde" singt die schöne Südafrikanerin ein Hohelied auf Agentenfilme ganz alter Schule. Der Film von David Leitch mag oberflächlicher sein, als er auf den ersten Blick scheint. Dafür ist er aber sehr stylish. Mit all seinen Prügeleien, Schießereien und Verfolgungsjagden ist "Atomic Blonde" Kino von früher und zumindest durch seine offen zur Schau gestellten Härte ziemlich einzigartig im Einerlei der modernen Action-Monotonie.

Wer bescheißt hier eigentlich wen? "Atomic Blonde" ist im Herzen ein klassischer Whodunnit und passt gut in die Zeit, in der jeder jeden an der Nase herumführte. Berlin, 1989. Da war doch was, da ging doch was. Der Kalte Krieg lag in seinen letzten Zügen. Vom Osten her bröckelte die Mauer, im Westen wurden die Geheimdienste nervös. Es soll, so wird Lorraine Broughton (Theron) informiert, eine geheime Liste mit allen Agenten der Besatzungsmächte existieren.

"Bitte finden, egal zu welchem Preis", bekommt die Top-Agentin vom MI6 in das Aufgabenheft geschrieben. Ach ja, bei der Gelegenheit soll sie doch bitte auch einen Verräter in den eigenen Reihen finden und ausschalten. Das könnte freilich jeder sein, auch ihr runtergerockter Kollege David Percival (James McAvoy), der in Berlin seine eigenen Ziele verfolgt.

In einer Stadt, die gerade auseinanderfällt und zusammenwächst und in der sich Sowjets, Amerikaner, Briten, Franzosen und ein geheimnisvoller Uhrmacher (Til Schweiger in einer Nebenrolle) noch schnell ihre Pfründe sichern wollen, ist Lorraines Auftrag ein Himmelfahrtskommando. Obwohl sie das "Spy Game" eigentlich bis zur Perfektion beherrscht, sowohl im Kopf als auch mit dem Körper.

Stylishe Bilderflut

"Atomic Blonde" basiert auf der Graphic Novel "The Coldest City" (2012) von Sam Hart – und benimmt sich auch wie ein Comic. Die Handlung versinkt ein wenig in der stylishen Bilderflut und scheint verworrener, als sie tatsächlich ist. Zumal sie von einem Verhör Lorraines durch ihre Vorgesetzten eingerahmt wird, das nach ihrem Berlin-Einsatz stattfindet.

Wenn man ehrlich ist: Wirklich spannend ist der Plot nie. Dafür ist die Agentennummer – jeder verdächtigt jeden und jeder hintergeht jeden – zu abgenutzt. Dafür ist der feministische Anstrich mit der weiblichen Heldin zu kalkuliert, und dafür bleibt auch der zeitgeschichtliche Kontext, dieses letzte Röcheln im Kalten Krieg in seiner Hauptstadt, viel zu sehr Kulisse. Wenngleich eine von morbidem Charme und mit lässigem Soundtrack (David Bowie, New Order, Depeche Mode).

Immerhin geht David Leitch, der mit "Atomic Blonde" seinen ersten Kinofilm als Regisseur allein verantwortet, ein hohes Tempo und weiß als Stuntexperte, wie man das Actionpublikum bei Laune hält. Ein Hingucker ist sein Film allemal, was nicht zuletzt, aber auch nicht nur, an Charlize Theron liegt, die ziemlich kräftig zuschlagen kann und ziemlich viel Wodka trinkt, sich auf eine ziemlich heftige Affäre mit einer französischen Konkurrentin (Sofia Boutella) einlässt und sich ziemlich oft in eine Badewanne mit Eiswasser legt. Abkühlung tut gut in hitzigen Zeiten.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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