Britt-Marie (Pernilla August) hat es sich 40 Jahre lang bequem eingerichtet in ihrer eigenen Folterkammer aus Putzmitteln und Backpulver, ordentlich sortierten Besteckschubladen und pünktlichem Abendessen.
"Man kann nicht alle Kinder mögen, nur weil sie Kinder sind", sagt Hausfrau Britt-Marie und heuert mit ihren 63 Jahren in "Britt-Marie war hier" in einem Jugendzentrum an.

Britt-Marie war hier

KINOSTART: 13.06.2019 • Drama • SE (2019) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Britt-Marie var här
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
SE
Laufzeit
98 Minuten
Regie

Filmkritik

Backpulver hilft immer
Von Andreas Fischer

Mit 63 Jahren will eine Hausfrau ihr Leben umkrempeln und tauscht Putzkittel gegen Trainerjacke: "Britt-Marie war hier" feiert eine alternde Heldin, die keine sein will, mit Fußballkitsch und Binsenweisheiten.

Es gibt kein Problem auf der Welt, das sich nicht mit Backpulver lösen ließe. Findet Britt-Marie. Sie ist seit 40 Jahren verheiratet, führt ein hartes Regime gegen sich selbst. Aufstehen, putzen, waschen, kochen, aufräumen. Ihr Mann Kent verdient das Geld, sie ist ihm zu Diensten. Das ist einfach, das ist bequem. Doch mit dem hübsch aufgeräumten Leben ist es in der heimeligen schwedischen Tragikomödie "Britt-Marie war hier" irgendwann vorbei. Mit ihren 63 Jahren muss sich die schweigsame, stoische Hausfrau neu erfinden – als Leiterin eines Jugendzentrums und Trainerin eines ziemlich schlechten Dorfteams fußballverrückter Kinder. Mit Backpulver jedenfalls kommt sie da nicht weit.

"Träume sind Träume, und das Leben ist das Leben", weiß Britt-Marie. Von der Ingmar-Bergman-Darstellerin Pernilla August mit freudlosem Gesicht gespielt, geht sie einen Schritt nach dem anderen in ihr neues Leben. Dass sie es überhaupt wagt, aus ihrer ordentlichen Welt auszubrechen, ist ein ziemliches Wunder. Doch die Frau hat nach dem Herzinfarkt ihres Gatten keine Wahl: Er lässt sich im Krankenbett von einer Geliebten pflegen. Ein letztes Mal wickelt Britt-Marie – sie kann nicht anders – sein dreckiges Hemd ein, um es vor der Wäsche mit Backpulver zu behandeln. Dann geht sie zum Arbeitsamt und besorgt sich einen Job.

Der Aufbruch in ein neues Leben führt sie ans Ende der Welt. Im Kaff Borg suchen sie jemanden, der sich um das Jugendzentrum kümmert und die Dorfkids fit für ein Fußballturnier macht. Britt-Marie hat zwar weder für Kinder noch für Fußball besonders viel übrig, aber sie sagt zu. Alles ist besser als "weiter so". Wer sein eigenes Schicksal selbst in die Hand will, muss Opfer bringen.

Die späte Heldin auf dem Weg zur Erfüllung: Das ist im Kino normalerweise ein Selbstläufer. Erst recht, wenn dabei ein ganzes Team eigensinniger Kinder und eine Handvoll skurriler Dorfbewohner helfen. Doch was Tuva Novotny in ihrem zweiten Film als Regisseurin aus der Buchvorlage von Frederik Backman ("Ein Mann namens Ove") macht, ist schon arg kitschig. Etwa wenn der örtliche Cop um ein Rendezvous bittet, eine blinde Ex-Fußballerin Britt-Marie die Augen öffnet oder ein feiner Anzugträger das Jugendzentrum abreißen lassen will, nur um es später für unabdingbar zu erklären.

"Es ist nie zu spät, um zu leben", steht auf dem Plakat des Films. Das kann man als Versprechen interpretieren oder als Warnung. Der Film hat durchaus charmanten Momente – etwa, wenn Britt-Marie das wahrscheinlich allererste Mal in ihrem Leben lacht. Doch der Inszenierung fehlt die Leichtigkeit. Stattdessen gibt es bedeutungsschwangere Küchentischphilosophie und Rückblenden in Britt-Maries Kindheit: Einstmals erlittene Verluste werden für ihren jahrzehntelangen Lebensstillstand verantwortlich gemacht. Das mag glauben, wer will.

Nach drei Monaten in Borg ist Britt-Maries Leben aber ins Rollen gekommen. Was am Fußball liegt. Der sei eine Metapher fürs Leben, hatte ihr Mann einst behauptet. Britt-Marie hat das nie verstanden. Bis sie die Geschichte vom Champions-League-Finale 2005 hört. Sie wissen schon: Liverpool liegt zur Pause 0:3 zurück und holt den Pott trotzdem. Aufgeben ist keine Option, erkennt Britt-Marie. Dafür wird sie als "Kämpferin des Jahres" ausgezeichnet, weil sie sich irgendwann doch getraut hat, weiterzumachen. Das freilich ist vor allem eine kühne Behauptung, für die der Film die Beweise schuldig bleibt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Pernilla August
Lesermeinung
Beck (Peter Haber) muss den Mord an seiner Chefin aufklären.
Peter Haber
Lesermeinung
Weitere Darsteller

Neu im kino

"Dune" ist bereits die zweite Verfilmung des legendären Science-Fiction-Romans.
Dune
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
Mit Shang-Chi steht erstmals ein asiatischer Superheld im Zentrum eines Marvel-Abenteuers.
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Action • 2021
prisma-Redaktion
In vier Episoden erzählt "Doch das Böse gibt es nicht" von der Todesstrafe im Iran.
Doch das Böse gibt es nicht
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Drama trifft Thriller trifft Groteske: "Promising Young Woman" mischt verschiedene Genres zu einem grandiosen Film.
Promising Young Woman
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
Für die Fußball-Dokumentation "Nachspiel" begleiteten die Filmemacher Christoph Hübner und Gabriele Voss ihre Protagonisten mehr als 20 Jahre lang.
Nachspiel
Dokumentarfilm • 2019
prisma-Redaktion
"Kaiserschmarrndrama" ist die siebte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis rund um den Niederkaltenkirchener Ermittler Eberhofer.
Kaiserschmarrndrama
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Vom flanierenden Werbetexter zum Verliebten und in den Abgrund: Tom Schilling spielt Erich Kästners Romanfigur Fabian aus dem Jahre 1931. Der ungewöhnliche Historienfilm lief im Wettbewerb der Berlinale und wurde von der Kritik gefeiert.
Fabian oder der Gang vor die Hunde
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Auf ein Neues! Die Antiheldentruppe Suicide Squad bekommt nach dem verunglückten ersten Leinwandauftritt von 2016 eine Frischzellenkur verpasst.
The Suicide Squad
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Jungle Cruise" ist ein Film für viele Geschmäcker: Neben Action und Spannung bietet der Streifen von Jaume Collet-Serra auch jede Menge Witz und eine wohldosierte Portion Romantik.
Jungle Cruise
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
Irgendwo steht immer ein Auto rum, das gefahren werden will: "Fast & Furious 9" macht einen Trip rund um die Welt und wagt sich sogar ins All.
Fast & Furious 9
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" wurde für sechs Oscars nominiert und gewann den Preis für die beste Nebendarstellerin.
Minari
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Wie ein ehrgeiziger Unternehmer auf der Suche nach größeren beruflichen Erfolgen den Zusammenhalt seiner Familie riskiert, beleuchtet Sean Durkins Drama "The Nest - Alles zu haben ist nie genug".
The Nest - Alles zu haben ist nie genug
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Erst im Kino, einen Tag später schon bei Disney+: "Black Widow" ist zurück.
Black Widow
Action • 2020
prisma-Redaktion
"Nomadland" gewann im Frühjahr drei Oscars - als bester Film, für die beste Regie sowie für die beste Hauptdarstellerin.
Nomadland
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Godzilla und King Kong haben sich im vierten Teil der MonsterVerse-Reihe keine Nettigkeiten zu sagen.
Godzilla vs. Kong
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Stowaway - Blinder Passagier" erzählt von einer möglicherweise bahnbrechenden Marsmission, auf der es kurz nach dem Start zu einem dramatischen Zwischenfall kommt.
Stowaway - Blinder Passagier
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
"Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!" setzt die Reihe, die vor 20 Jahren ihren Anfang nahm, fort.
Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Trotz hochkarätiger Besetzung erreicht "A Quiet Place 2" nie die Intensität des viel gelobten Vorgängers von 2018.
A Quiet Place 2
Thriller • 2019
prisma-Redaktion
"Wonder Woman 1984" war zunächst nur bei Sky zu sehen und kommt nun auch in die Kinos.
Wonder Woman 1984
Action • 2020
prisma-Redaktion
In "Mortal Kombat" geht es äußerst brutal zur Sache.
Mortal Kombat
Action • 2021
prisma-Redaktion
In der Neuverfilmung von "Hexen hexen" verbreitet Anne Hathaway als Oberhexe Angst und Schrecken.
Hexen hexen
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
"Und morgen die ganze Welt" erzählt von einer jungen Studentin, die sich der Antifa anschließt.
Und morgen die ganze Welt
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Nina Hoss kümmert sich als "Schwesterlein" um ihren todkranken Filmbruder Lars Eidinger - kann aber weder den Krebs noch die Klischees besiegen.
Schwesterlein
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Der Held der Kinderzimmer erobert die große Leinwand: "Yakari - Der Kinofilm".
Yakari - Der Kinofilm
Animationsfilm • 2020
prisma-Redaktion
Was einst im Wald rund um das Provinznest Stainbach geschah, raubt einer Mutter und ihrer Tochter noch Jahrzehnte später den Schlaf.
Schlaf
Drama • 2020
prisma-Redaktion
"Blumhouse's Der Hexenclub" ist die Fortsetzung von "Der Hexenclub" aus dem Jahr 1996.
Blumhouse's Der Hexenclub
Horror • 2020
"Greenland" ist ein spannender Katastrophenfilm, in dem nicht nur ein Komet, sondern auch die Menschen zur Gefahr werden.
Greenland
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Kajillionaire" ist der dritte Spielfilm der US-Künstlerin Miranda July.
Kajillionaire
Drama • 2020
Moritz Bleibtreus Regiedebüt "Cortex" kommt ambitioniert daher. Der bewusst verwirrende, anspruchsvolle Psychothriller lässt die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit und das Leben zweier Männer verschmelzen.
Cortex
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Ema" ist ein bildgewaltiger Film mit Tiefgang.
Ema
Drama • 2019
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS