Owen Vaccaro ist gerade mal zwölf Jahre alt, da übernimmt er schon die Hauptrolle in einem Fantasyabenteuer. Wird er der nächste "Harry Potter"?
Auf dem Papier klingt das Ganze schon mal nicht schlecht: Jack Black (Mitte) und Cate Blanchett versuchen gemeinsam mit Owen Vaccaro die Welt vor einer bösen Hexe zu beschützen.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren

KINOSTART: 20.09.2018 • Fantasy • USA (2018) • 106 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The House with a Clock in Its Walls
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Amblin Entertainment, Reliance Entertainment, Mythology Entertainment, Amblin Partners, DreamWorks Pictures
Budget
42.000.000 USD
Einspielergebnis
131.457.147 USD
Laufzeit
106 Minuten
Regie
Eli Roth
Music
Nathan Barr
Kamera
Richard Cantu, Thomas Lappin, Quantrell D. Colbert, Rogier Stoffers

Filmkritik

Mehr Magie schadet nie
von Markus Schu

Filmemacher Eli Roth hat sich bislang vor allem als Horror- und Thriller-Regisseur einen Namen gemacht. Gelingt ihm mit "Das Haus der geheimnisvollen Uhren" sein Ausflug in den Kinderfilmbereich?

Beim Namen Eli Roth ("Ein Mann sieht rot", 2018) denkt man kaum an Kinderfilme. Schließlich ist der amerikanische Regisseur bekannt für drastischen Horror à la "Cabin Fever" und "Hostel". Auch als Darsteller kennt man den 46-Jährigen: In Quentin Tarantinos Meisterwerk "Inglourious Basterds" spielte er den "Bärenjuden" und lehrte die Nazis das Fürchten. Genau dieser Eli Roth übernahm die Regie bei einer Jugendbuchadaption. "Das Haus der geheimnisvollen Uhren" basiert auf dem gleichnamigen ersten Band einer vor allem in den USA beliebten Romanreihe von John Bellairs. Mit Jack Black und Cate Blanchett hochkarätig besetzt, schickt sich Roth nun an, dem wohlig-gruseligen Fantasy-Abenteuer zu filmischen Weihen zu verhelfen. Ob er der richtige Mann dafür ist?

Als der zehnjährige Lewis Barnavelt (Owen Vaccaro) im Jahr 1955 beide Eltern verliert, kommt er bei seinem spinnerten Onkel Jonathan (Jack Black, "Gänsehaut") unter. Dessen nicht minder skurrile Nachbarin Mrs. Zimmermann (Cate Blanchett, "Der Herr der Ringe") achtet derweil auf das Wohlbefinden des Männerduos. Eigentlich passt der sonderbare Waisenjunge ganz gut in das Leben der sich permanent kabbelnden Freunde. Auch das titelgebende Haus scheint ihn zu mögen. Ganz recht, das Haus: Nicht nur Jonathan und Mrs. Zimmermann sind in Wahrheit gutmütige Zauberer, auch die Heimstatt des schrulligen Onkels ist von Magie beseelt. Sessel und Ritterrüstung sind lebendig, und die Motive des Glasfensters ändern sich ab und an.

Zudem tickt irgendwo in den Wänden eine magische Uhr, gebaut vom fiesen Hexenmeister Isaac Izard (Kyle MacLachlan, "Twin Peaks"). Der lebte vorher in dem alten Haus, starb jedoch bei einem okkulten Ritual. Jonathan und Mrs. Zimmermann haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Uhr zu lokalisieren, weil mit ihr das Ende (oder besser gesagt der Anfang) der Welt heraufbeschworen werden könnte. Als Lewis versehentlich den sinistren Zauberer per Blutritual wieder auferweckt, muss sich das Trio etwas einfallen lassen, um die drohende Katastrophe abzuwenden.

Der ganze Film beginnt mit einem großen Versprechen: das Universal-Logo erstrahlt in einer nostalgischen Retrovariante. So sollen Erinnerungen an vergangene Fantasyklassiker des Studios heraufbeschworen werden. Und zwar vor allem an "E.T. – Der Außerirdische". Doch auch an Warners "Gremlins – Kleine Monster" erinnert man sich, schließlich steckt hinter beiden Filmen Amblin Entertainment – wie nun auch bei "Das Haus der geheimnisvollen Uhren". Doch das Versprechen wird nicht eingelöst. Regisseur Eli Roth ist eben kein Joe Dante und erst recht kein Steven Spielberg.

Für einen Kinderfilm ist Roths neues Werk zu gruselig, für eine Jugendbuchverfilmung zu infantil. Auch muss man Drehbuchautor Eric Kripke ("Supernatural") ankreiden, dass er das Potenzial der Figuren kaum ausschöpft. Man hätte gerne mehr über ihre Traumata erfahren, stattdessen bleibt die Charakterzeichnung funktional. Schade ist zudem, dass einige Digitaleffekte unfreiwillig komisch wirken. Die Reduzierung von Fäkalwitzen und allzu generischen Szenen hätte dem Film gutgetan: Eine Heckenfigur mit Durchfall oder kotzende Kürbisse, die durch magische Laser zerplatzen, brauchte es nun wirklich nicht. Auf der Habenseite stehen hingegen die beiden hervorragenden erwachsenen Hauptdarsteller, die mit sichtlicher Spielfreude agieren und die besten Gags auf ihrer Seite haben. Bei Newcomer Owen Vaccaro kann man geteilter Meinung sein: In einigen Szenen wirkt sein Spiel arg übertrieben.

"Das Haus der geheimnisvollen Uhren" ist ein spaßiger Kinderfilm mit ein paar netten Ideen und Gruseleien, aber insgesamt zu inspirationslos, um in Erinnerung zu bleiben. Hat man dafür wirklich Eli Roth gebraucht? Mit seinem ersten Film für ein junges Publikum gelang ihm lediglich ein Abenteuer mit angezogener Handbremse – ironischerweise verfügt der Film nur in den seltensten Momenten über wahre Magie.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Gab 1997 ihr Leinwand-Debüt: Cate Blanchett.
Cate Blanchett
Nicht nur als Darsteller erfolgreich: Jack Black
Jack Black
Kyle MacLachlan
Weitere Darsteller
Owen Vaccaro Renée Elise Goldsberry Colleen Camp Sunny Suljic Lorenza Izzo Braxton Bjerken Vanessa Anne Williams Ricky Muse Charles Green De'Jon Watts Aaron Beelner Joshua Phillips Christian Calloway Caleb Lawrence Dylan Gage Jalyn Hall Jackson T. Giles IV Eli Roth Alli Beckman Emily Brobst

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