Gerade aus dem Gefängnis entlassen spaziert Debbie Ocean (Sandra Bullock) selbstbewusst in ein Edelkaufhaus. Im Vorbeigehen greift sie ganz selbstverständlich nach teuren Kosmetikprodukten. Wie sie die kaufen will? Gar nicht natürlich. Sie möchte die angeblich bereits bezahlte Ware zurückgeben. Doch das geht nur mit Kassenzettel. Genervt lenkt Debbie ein, dann behalte sie die Sachen eben, ob sie wenigstens eine Tüte haben könne. Schon spaziert sie lässig mit prall gefüllten Taschen auf die Straße. Ein Kinderspiel für jemanden, der einen riesigen Coup plant. Denn in "Ocean's 8" hat die Gangster-Dame mit ihren Kumpaninnen ein Ziel, das vor Jahren schon das männliche Team um ihren Bruder hatte: ein spektakulärer Millionenraub.

Es dauert zu Beginn ein wenig zu lang, bis das Team aus Debbies Freundin Lou (Cate Blanchett), Juwelierin Amita (Mindy Kaling), Trickbetrügerin Constance (Awkwafina), Hehler-Expertin Tammy (Sarah Paulson), Hackerin Nine Ball (Rihanna) und Modedesignerin Rose Weil (Helena Bonham Carter) zusammengestellt ist. Als Lou einmal einen Mann vorschlägt, ist schnell klar, dass sein Geschlecht das Ausschlusskriterium ist. Denn es werden nur starke Frauen gesucht. Das Ziel der sieben Damen: eine Halskette im Wert von 150 Millionen Dollar zu stehlen – und das ausgerechnet direkt vom Hals des Stargastes der Met-Gala, Daphne Kluger (Anne Hathaway).

Schließlich nimmt das Heist-Movie aus dem Bilderbuch aber doch noch Fahrt auf. Zwar fiebert man kräftig mit, doch der betonten Weiblichkeit wird es fast manchmal zu viel. Muss sich eine Frau wirklich während des Einbruchs noch die Nägel lackieren, nur um zu zeigen, dass Frauen das können? Nach der Debatte um gleiche Bezahlung und #MeToo in Hollywood scheint es jetzt an der Zeit, dass Frauen Gangster-Rollen ebenso bekommen wie Männer, nur wäre es schöner, man hätte sich ein neues, frisches Konzept ausgedacht, statt einfach die Frauen das nachspielen zu lassen, was die Herren schon vor Jahren vorgemacht haben.

"Ocean's 8" verleugnet seine Herkunft nicht: Die Verbindungen zur ursprünglichen "Ocean's"-Reihe bleiben durch die Erzählart, Anspielungen und einem fast gleichen Anfang zart bestehen. Ein Besuch von George Clooney als Danny Ocean ist dem Zuschauer zwar nicht vergönnt, zwei alte Bekannte dürfen aber auftreten: Reuben Tishkoff (Elliott Gould) und "The Amazing" Yen (Shaobo Qin) statten der Neuauflage einen Besuch ab. So weht der Charme von "Ocean's Eleven" bis "Ocean's 13" immer wieder kurz vorbei, überlässt aber ansonsten den Frauen die Bühne.

Sehenswert ist die Gangster-Komödie, bei der Gary Ross Regie führte, vor allem aufgrund ihrer hochkarätigen Besetzung. Gerade Rollen wie die von Anne Hathaway oder Helena Bonham Carter scheinen den Frauen wie auf den Leib geschneidert. Dazu kommen Stargäste wie Heidi Klum, Anna Wintour, Kim Kardashian und Katie Holmes. Das Sahnehäubchen setzt schließlich James Corden – ja, ein Mann – der Besetzung auf. Die Figuren sind vielleicht nicht sehr tiefgehend, aber doch sehr spitz gezeichnet, sodass man schnell ihre wenigen Eigenheiten erfasst. So sehr sich das Spin-Off auch an alle Regeln des Heist-Movie hält, ein paar Überraschungen hat es doch auf Lager. Denn wer ist eigentlich die Achte im Bunde? Nach einer Fortsetzung schreit der Film allemal – zwischen "Ocean's 8" und "Ocean's Eleven" stehen noch zwei bisher unbenutzte Filmtitel zur Verfügung.

Quelle: teleschau – der Mediendienst