Sie kommen kaum selbst über die Runden: Osamu (Lily Franky) und seine Partnerin Nobuyo (Sakura Ando) haben die kleine Yuri (Miyu Sasaki) in ihre Patchwork-Familie aufgenommen.
"Shoplifters - Familienbande" schaut an den Rand der japanischen Gesellschaft und findet dort Ladendiebe mit großem Herz.

Shoplifters - Familienbande

KINOSTART: 27.12.2018 • Drama • J (2018) • 121 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Manbiki kazoku
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
J
Filmstudio
Fuji Television Network, AOI Pro., BUN-BUKU, GAGA Corporation
Laufzeit
121 Minuten
Regie
Χρήστος Βουδούρης, Hirokazu Kore-eda
Music
Χρήστος Βουδούρης
Kamera
Χρήστος Βουδούρης

Filmkritik

Zärtlich am Rande
von Andreas Fischer

Das Glück ist zerbrechlich in den sozialen Randbezirken Japans: Im Cannes-Gewinner "Shoplifters – Familienbande" treibt es trotzdem die schönsten Blüten.

Das kleine Haus in einem heruntergekommenen Viertel Tokios ist vollgekramt bis unter das Dach. Sechs Menschen leben hier, eine Familie, die gerade so über die Runden kommt. Und das nicht mal mit legalen Mitteln. "Shoplifters" heißt der neue Film von Hirokazu Kore-eda, für den er in Cannes die Goldene Palme gewann. Der deutsche Verleih hat im Untertitel das Wort "Familienbande" hinzugefügt, was viel besser passt. Weil sich der japanische Kinopoet nicht für die kleinkriminelle Lebensweise und ihre Auswirkungen interessiert, sondern noch radikaler als in seinen vorigen Filmen ("Nobody Knows", "Like Father, like Son") erkundet, was Familie ist und wie sie funktionieren kann am Rande einer Gesellschaft, die an ihrer eigenen Scheinheiligkeit erstickt. Das ist so sanft und präzise, so sensibel und ehrlich erzählt, dass die Ladendiebe vor allem eines stehlen: die Herzen der Zuschauer.

Es trifft immer die Kinder zuerst, wenn die Gesellschaft auseinanderdriftet. Das ist zunächst einmal die ziemlich bittere Wahrheit, von der Hirokazu Kore-eda erzählt. Aber der Regisseur findet nicht nur die richtigen Bilder und trifft den richtigen Ton, er verliert in seiner unmissverständlichen Gesellschaftskritik das Wesentliche nicht aus dem Herzen.

Am sozialen Rand muss man sich etwas einfallen lassen, um zu überleben. Gelegenheitsjobs, Automatenspiele, Ladendiebstähle. Aber obwohl das Geld knapp ist, geben sie mit vollen Händen, was sie selbst kaum haben. Vor allem, wenn ein kleiner Mensch von den Eltern ausgesperrt auf dem Balkon kauert. Frierend, ausgemergelt, verletzt.

Natürlich nehmen Shota (Jyo Kairi) und sein Vater Osamu (Lily Franky) das kleine Mädchen mit nach Hause. Sie kommen gerade aus dem Supermarkt, wo sie die nötigsten Dinge besorgt haben. Was bei den beiden so aussieht wie in "Ocean's Eleven", nur eben viel überlebensnotwendiger.

Die Shibatas päppeln Yuri (Miyu Sasaki) erst auf und nehmen sie dann gleich ganz in ihre Familie auf. Das ist strenggenommen Kindesentführung, aber was soll man machen, wenn das Mädchen sonst nirgendwo Wärme und Geborgenheit findet? Hirokazu Kore-eda weiß, was Familie ausmacht, auch wenn nie ganz klar wird, wer mit wem verwandt ist. Aber das ist auch nicht wichtig.

Es gibt den Vater und den Sohn, es gibt eine Oma (Kirin Kiki), Nobuyo (Sakura Ando), die Frau des Vaters, und Aki (Mayu Matsuoka). Manchmal behauptet einer, sie würden von Omas Rente leben, was nicht stimmt, aber ein hübscher wiederkehrender Witz ist. Jeder trägt bei, was er kann, damit sie als Gemeinschaft über die Runden kommen.

Sie können sich aufeinander verlassen, geben sich Sicherheit und sind damit der größtmögliche Gegenentwurf zu Japans erstarrter, erkalteter Gesellschaft, die hinter der Fassade aus Hightech, Manga-Niedlichkeit und Neonglanz längst zerbröckelt. Erst nach zwei Monaten wird Yuri als vermisst gemeldet. Als die Behörden dann eingreifen, wirkt das wie ein verzweifelter Versuch, die Ordnung von Amts wegen wiederherzustellen.

Doch selbst in den schlimmsten Zeiten verlieren die sechs Menschen aus dem vollgekramten Haus nie ihre Würde, ihre Zärtlichkeit. Sie erzählen die perfekte Geschichte davon, was es bedeutet, Mensch zu sein. Denn was am Ende bleibt, ist ein Bild vom Strand, das Yuri bei einem Verhör gemalt hat. Darauf zu sehen: die Sonne, das Meer und eine Handvoll Menschen, die ziemlich glücklich aussehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Mayu Matsuoka Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Χρήστος Βουδούρης Kengo Kora Χρήστος Βουδούρης Akira Emoto Χρήστος Βουδούρης Hajime Inoue Χρήστος Βουδούρης Nana Mizoguchi Madoka Tomosaki

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