Aller guten Dinge sind drei. Zwei Folgen haben genügt, um Jörg Hartmann in seiner Rolle als Dortmunder Tatort-Kommissar Faber zu einem postmodernen Schimanski zu stempeln, zum verrückten Hund der Sendereihe. Und diesmal? Sein Seelenschmerz ist gewiss nicht verflogen, zumal die Geschehnisse, die ihm Frau und Tochter geraubt haben, auf beängstigende Weise Konturen annehmen. Sind sie gar nicht einem Verkehrsunfall, sondern einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Faber nimmt sich Zeit, vor Ort in Schleswig-Holstein zu recherchieren. Sein Wahnsinn bekommt Methode, seine Verzweiflung ein Ziel - den Täter. Mit Faber gewinnt im dritten Anlauf auch das gesamte Dortmunder Team ­Profil. Die 16-jährige Nadine (Antonia Lingemann) ist ermordet worden. Das Geschehen beschränkt sich weitgehend auf drei Schauplätze. Den künstlich angelegten Phoenixsee (als Tatort), das kaum minder künstliche ­Dort­­munder U, wo in einem anderen Leben bodenständig Export-Bier gebraut wurde. Sowie die Hochhaussiedlung im von Wohlstand unberührten Ortsteil Clarenberg.

Nadine stammte aus Letzterem, umgab sich aber zu gern mit den smarten Jungs, die das U zu ihrem Revier erkoren haben, Wodka wie Wasser kippen und auf Halbseiden machen. Unter der unspektakulär sorgfältigen ­Regie von Andreas Herzog, der schon einige feine Stücke der Senta-Berger-Reihe ­"Unter Verdacht" abgeliefert hat, schälen sich endlich jene Trümpfe heraus, die ein Ruhrgebiets-Tatort der Sendereihe beisteuern kann: Erstens derbtrockener Humor, der die Münsteraner Sprüche artig erscheinen lässt, zweitens die Brisanz sozialer Gegensätze von Wohnsilo und goldener Wodka-Jeunesse, drittens gelungene Integration auf der einen bei fest pappenden Vorurteilen auf der anderen Seite. Das alles von einem Ermittlerteam in Bestform lustvoll in Szene gesetzt. Auch Aylin Tezel und Stefan Konarske, das Buffopaar, bekommen Raum, sich frei zu spielen. Ein starker Tatort. dh

Foto: WDR/Thomas Kost