Der Pariser Anstreicher Themroc hat die täglichen Demütigen durch seine Umwelt und seinen Arbeitgeber satt. Deshalb beschließt er, aus seinem zermürbend monotonen Angestellten-Dasein auszubrechen. Kurzerhand schmeißt die gesamte Einrichtung seiner Wohnung zum Fenster hinaus und verwandelt diese in eine anarchische Höhle. Indem er sich offen zu Anarchie und Tabubruch bekennt und das Leben eines "Wilden" führt, rebelliert er gegen die inhumane, bürgerliche Gesellschaft. Als die gesamte Nachbarschaft seinem Beispiel folgt, wird es brenzlig für die Ordnung im Staat...

Jeden Tag der gleiche Trott: Schlecht gelaunt aufstehen, mit dem Fahrrad zur U-Bahn, umgeben von deprimierten Menschenmassen zur Arbeit, wo einen ein schlecht bezahlter Job erwartet. Wer kennt sie nicht, die Mühen und Enttäuschungen des Alltags, die Regisseur Claude Faraldo in "Themroc" thematisiert? Mit dieser Satire über die Revolte eines Arbeiters gegen das gesellschaftliche Unrechtssystem landete Faraldo seinen größten Kinoerfolg. Ein radikaler, im positiven Sinne geschmackloser, befreiender und bis ins Detail witziger Film. "Themroc" wurde 1973 mit dem Special Jury Award des Avoriaz Fantastic Film Festival ausgezeichnet. Hauptdarsteller Michel Piccoli erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler. Nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1973 stieg "Themroc" rasch vom Geheimtipp zu einem Publikumserfolg in den Programmkinos auf. Die Beliebtheit des Films mag überraschen, da er fast vollständig auf Dialoge verzichtet. Ein sprachlicher Austausch zwischen den Menschen scheint in dieser oberflächlichen und bornierten Welt schlicht nicht möglich. Auch die Namenlosigkeit des Protagonisten zeugt von gesellschaftlicher Kälte und Anonymität. Indem der Film die bürgerliche Gesellschaftsordnung als inhuman und korrupt entlarvt, greift er die Kritik der 68er Generation an Staat und Gesellschaft auf. Geprägt vom antikapitalistischen, antiautoritären Zeitgeist fand das Publikum deutlich Gefallen an der anarchistischen Grundtendenz von Faraldos Film, nicht so sehr jedoch die etablierte, konservative Filmkritik. Sie wertete "Themroc" als eher unverbindliche, verspielte Komödie ab, deren anarchistische Vision allzu weit und allzu einfältig in die Gefilde des Fantastischen abdrifte.