Diese Mutter (Verena Altenberger) liebt ihren Sohn (Jeremy Miliker), doch sie kann nicht immer für ihn sorgen.
Eine österreichische Geschichte aus Sicht eines kleinen Jungen, der nicht grad in der besten Gegend aufwächst. Kann es trotzdem die beste aller Welten sein?

Die beste aller Welten

KINOSTART: 28.09.2017 • Drama • D / AUS (2017) • 99 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Die beste aller Welten
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D / AUS
Filmstudio
RitzlFilm, Lailaps Pictures, SWR, ORF
Laufzeit
99 Minuten
Regie
Adrian Goiginger
Music
Manuel Schönegger, Dominik Wallner
Kamera
Yoshi Heimrath

Filmkritik

Mit oder ohne Ausrufezeichen
von Claudia Nitsche

Wie kann man einen solch genauen Blick haben? Ein junger Österreicher erzählt mit viel Liebe von einer Kindheit, die gar nicht so unerträglich war, wie es die Gesellschaft gerne verkündet.

Manchmal raunt es durch die Kinowelt. Jeder weiß, dass er "den neuen Darren Aronofsky" gesehen haben muss, bis er dann kopfschüttelnd aus "mother!" kommt, um festzustellen, dass der Regisseur von "Black Swan" diesmal mindestens den Faden verloren hat. Und dann raunt es wieder gar nicht, und man fürchtet, ein Film wie "Die Beste aller Welten" wird trotz der bisher eingefahrenen Preise in unserer Kinolandschaft wieder abtauchen, bevor dieses in vielerlei Hinsicht fabelhafte Kino-Debüt seine Besucher überzeugen durfte. Und jeden Kinointeressierten, der sich nach Geschichten sehnt, wird Drehbuchautor und Regisseur Adrian Goiginger mit dieser Perle begeistern.

Man möchte jede Szene zwischen Mutter (Verena Altenberger) und Sohn (Jeremy Miliker) nacherzählen, denn diese Beziehung scheint so einzigartig, so real. Dabei finden wir uns am Salzburger Stadtrand wieder, der Heimat der Junkies und Dealer. Auch Helga wohnt mit ihrem Lebensgefährten Günter (Lukas Miko) nicht zufällig in dieser Gegend. Ihr siebenjähriger Sohn Adrian schon. "Die Beste aller Welten" zeigt eine so starke Mutter-Kind-Beziehung auf Augenhöhe, dass manchen Eltern schwindlig wird, auch und vor allem, weil Helga drogenabhängig ist. Sie selbst würde das nie zugeben, sie hat alles im Griff, das erklärt sie dem Mann vom Amt (Michael Fuith), und das spielt sie ihrem cleveren Jungen und auch sich selbst vor.

Ein brillantes Drehbuch

Dann sieht man, wie Adrian den bedröhnten Freunden seiner Mutter eine Geschichte vorliest, eine Situation, die einem das Herz zerreißt. Der Kleine nimmt hin, hat kleine Tagträume, die Mutter kämpft, der Alltag geht weiter. Und doch ist dieser Film nicht so deprimierend, wie man es sich ausmalen könnte. Denn Helga ist eine Frau, die sich bei ihrem Kind entschuldigt, die mit ihrem Sohn auf ungekannte Art und Weise spricht, die ihn ernst nimmt und ihn doch, natürlich, überfordert. In diesem Film wird nichts mit einem Ausrufezeichen erzählt, und der Film braucht auch keines im Titel. Durch ein brillantes Drehbuch und den starken schauspielerischen Einsatz von Mutter und Kind vermittelt dieses Debüt ähnliche Intensität wie das hochgelobte Drama "Raum", das Brie Larson den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin bescherte.

Das Kümmern, das Scheitern, das trifft einen ins Herz. So greifbar das Leid ist, macht die heroinsüchtige Mutter doch vieles richtig. Der Kleine erlebt Dinge, die Kinder verborgen bleiben sollen, doch warum solche Situationen nicht mal zu Ende erzählen. Bis hin zum Eingeständnis des eigenen Versagens, bis zum Verständnis erbitten beim Leidtragenden. Auch fordert Helga eine Entschuldigung ein. Der Dealer (Michael Pink), den sie alle nur den Griechen nennen, muss sich dem Jungen erklären, bevor er wieder ins Haus darf. In welchem bürgerlichen Haushalt darf ein Kind, dem Unrecht widerfuhr, damit rechnen? So genau der Regisseur in diese Lebensgemeinschaft schaut, er übertreibt nicht, weder verkitscht noch verharmlost er.

Mehr, als Darren Aronofsky für sich verbuchen kann

Himmel, muss der Mann eine entspannte Kindheit gehabt haben. Wie hieß der noch mal mit Vornamen? Adrian, wie der Sohn? Das wird doch nicht der Junge sein, der Abenteurer werden wollte und im Film den weisen Satz gesagt hat "Das ist wie beim Fußball, man kann net versprechen, dass man gewinnt." Dem jungen Regisseur muss es genügen, eine Hommage an all die Frauen geschaffen zu haben, die aufwachen und nicht wissen, wie sie den Tag schaffen sollen und dennoch alles tun, um ihrem Kind eine Kindheit zu geben. Das ist mehr, als Darren Aronofsky für sich verbuchen kann. Daher sollte man hinter den Filmtitel doch ein Ausrufezeichen setzen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Verena Altenberger im Porträt - ihre Rollen und ihre Karriere.
Verena Altenberger
Weitere Darsteller
Jeremy Miliker Lukas Miko Michael Pink Michael Fuith Reinhold G. Moritz Philipp Stix Georg Veitl Gabriel Marian Skowerski Fritz Egger Patricia Aulitzky Sophie Resch Roman Blumenschein

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