Eine pfiffige Idee, große Namen und ein comedy-erprobtes Filmemacherduo: Bei "Das perfekte Geheimnis", der deutschen Adaption eines italienischen Erfolgsfilms, kann eigentlich nichts schiefgehen. Tut es am Ende aber doch.

Mit seinem Film "Perfetti Sconosciuti" hat der italienische Regisseur Paolo Genovese offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Allein in Italien lockte die Komödie 2016 rund 2,7 Millionen Zuschauer in die Kinos – ein wahrer Kassenknüller und der Anfang einer großen Erfolgsgeschichte. Von Mexiko bis China, von Griechenland bis Russland: Auf der ganzen Welt adaptierten Regisseure die Idee des Films, ein paar Freunde bei einem gemeinsamen Abendessen zu beobachten, bei dem sie ihre komplette Handy-Kommunikation für alle Anwesenden offenlegen. Es schien also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch hierzulande ein Remake starten würde. Mit Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin und Produzentin Lena Schömann hat sich nun ein eingespieltes Duo der deutschen Umsetzung angenommen. Auf ihre Publikumserfolge "Türkisch für Anfänger" und die "Fack ju Göhte"-Trilogie lassen die beiden jetzt "Das perfekte Geheimnis" folgen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Schönheitschirurg Rocco (Wotan Wilke Möhring) und seine Frau Eva (Jessica Schwarz) empfangen alte Freunde zum Abendessen. Geladen sind Carlotta (Karoline Herfurth), eine viel beschäftigte Businesslady und Gleichstellungsbeauftragte in einer Werbeagentur, und ihr Mann Leo (Elyas M'Barek), der in Elternzeit die Kinder hütet. Außerdem trudeln die frisch verliebten Simon (Frederik Lau) und Bianca (Jella Haase) ein und nicht zuletzt Pepe (Florian David Fitz), der als Einziger der Runde ohne Partner da ist.

Nach einigen Kabbeleien und dem Auffrischen von Kindheitserinnerungen entzündet sich eine Diskussion um ein befreundetes Paar, das sich wegen einer SMS getrennt hat. "Wenn ich mit einem Mädchen rumficke, dann lösche ich die SMS doch wenigstens", befindet Simon wie selbstverständlich. Bei den Frauen sorgt seine flapsige Bemerkung für Empörung, die Männer pflichten ihnen brav bei, auch wenn sie insgeheim ähnlich denken. Eva jedenfalls nimmt das Zwiegespräch als Ausgangspunkt für ein Spiel. Für die Dauer des Essens, so die Regel, werden alle eingehenden Nachrichten laut vorgelesen und eingehende Anrufe auf Lautsprecher gestellt. Nach einigem Zähneknirschen willigen alle ein, denn: Die Freunde haben ja nichts voreinander zu verbergen und kennen sich in- und auswendig. Oder?

Probleme über Probleme

Was als witziges Spiel beginnt, entwickelt rasch eine Eigendynamik, die das geplante gemütliche Zusammensein zu einem Spießrutenlauf werden lässt. Dass Eva plant, sich die Brüste vergrößern zu lassen oder Pepe seinen Job als Lehrer an den Nagel hängen will, um an einer anderen Schule neu anzufangen, sind noch die am wenigsten skandalträchtigen Enthüllungen. Bald schon geraten Beziehungen an den Abgrund, Vorurteile brechen sich Bahn, und die Freunde müssen erkennen, dass sie sich fremder geworden sind, als sie sich eingestehen wollen. Besonders Leos Plan, mit Pepe das Handy zu tauschen, mutiert zum gefährlichen Bumerang, und der Klingelton, ein quakender Frosch, wird zum unheilvollen Omen.

Inszeniert als Kammerspiel in einer Wohnung, die aussieht wie das Musterpenthouse eines Möbelhauses, lebt "Das perfekte Geheimnis" von seinen bissigen Dialogen. Wortsalven fliegen durch den Raum, und verbale Duelle werden ausgetragen, wenngleich nicht auf dem hohen Niveau von Genrevorbildern wie Roman Polanskis Meisterwerk "Der Gott des Gemetzels". Im starbesetzten Ensemble, quasi ein Who is Who der jungen deutschen Schauspielergarde, tun sich besonders Frederik Lau als beruflicher Versager und Jella Haase als dessen esoterisch angehauchte Liebhaberin hervor.

Besetzung, Drehbuch, Handlung – "Das perfekte Geheimnis" hätte ein sehr gelungener Film werden können, wäre da nicht das total verkorkste Ende mit einem zwanghaft herbeigeführten Happy End. Dadurch bagatellisiert Regisseur Dagtekin die durchaus pikanten Enthüllungen. Heimlich Nacktfotos von fremden Frauen zu bekommen, ist dann plötzlich ebenso in Ordnung wie homophobe Entgleisungen. Im echten Leben lassen sich derartige Verfehlungen nicht einfach mit einem kumpelhaften Klopfer auf die Schulter aus der Welt schaffen. Trotzdem verspürt man nach "Das perfekte Geheimnis" den Wunsch nach schonungsloser Offenheit im eigenen Freundeskreis – auf eigene Gefahr, versteht sich.

Quelle: teleschau – der Mediendienst