Zu viel und zu wenig Vertrauen sind Nachbarskinder – meint Wilhelm Busch. In diesem Tatort geht es um Mord, Geld, Liebe und eine alte Tragödie. Vor allem aber geht es um Vertrauen. Aus dem Zuviel und Zuwenig an Vertrauen bezieht der Film eine Intensität und aufkeimende Spannung, wie lange kein Tatort mehr. Kommissar Lannert (Richy Müller) und sein Gegenspieler Viktor de Man sind ein Paar, das die Drehbücher von Holger Karsten Schmidt (Erfinder des Stuttgart-Tatorts) immer wieder gern zusammenfügen. De Man ist Waffenhändler, ­Straf­täter, Charmebolzen, Kotzbrocken und trägt indirekt Schuld am Tod von Lannerts Frau und Tochter.

Trotzdem muss Lannert ihm vertrauen. De Man weiß, was die Polizei wissen will, nämlich wer "das ganz große Ding" drehen wird. Weil Viktor de Man (Filip ­Peeters) ein Hütchenspieler des Vertrauens ist, wird der Fall für ­Lannert zu einer Gleichung mit mehreren ­Unbekannten. Lannerts Partner ist der vorzügliche Bootz (Felix Klare). Er wird in diesem Film einige Auftritte von ungewöhnlicher Rabiatheit hinlegen. ­Warum? Weil er zu viel vertraut hat. Das kränkt. Und noch mehr kränkt, dass er, der Bulle, blind und taub war für die schwindende Liebe seiner Frau, die sich etwas anderes als Dienstbesessenheit erträumt hat. Ein starker Tatort (Regie ­Roland ­Suso Richter). Detlef Hartlap

Foto: SWR/Stephanie Schweigert