Der zwölfjährige Schweizer Simon hat eine einträgliche Geldquelle entdeckt: Jedes Jahr im Winter fährt er täglich mit einer kleinen Seilbahn vom Industriegebiet im Tal in das höher gelegene Skigebiet. Dort macht er sich unauffällig an reiche Touristen heran und beklaut sie. Mal erbeutet er nur Ski, dann wieder eine ganze Ausrüstung, die er gewinnbringend an andere Kinder des Wohnblocks verkauft, in dem er allein mit seiner Mutter Louise lebt, die ihn als ihren jüngeren Bruder ausgibt, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Louise hat erst vor kurzem ihre Stelle verloren und wird immer abhängiger von den "Einnahmen" ihres "Bruders" …

Die französisch-schweizerische, in Belgien lebende Regisseurin und Schauspielerin Ursula Meier ("Die Sprinterin", "Home") setzte diesen Mix aus Tragikomödie und Familiendrama vor der wunderbaren Naturkulisse der Schweizer Alpen in Szene, der von Kamerafrau Agnés Godard in gelungenen Bildern eingefangen wurde. Inspiriert von einer Geschichte, die Meier in ihrer Kindheit selbst erlebt hat, gibt Kacey Mottet Klein ("Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte") gekonnt den kleinen Meisterdieb, die inzwischen zum Hollywood-Star gereifte französische Schauspielerin Léa Seydoux ("Robin Hood", "Midnight in Paris", "Mission: Impossible - Phantom Protokoll") ist ebenso überzeugend als Louise. Das auf Filmfestivals gefeierte Werk (u.a. Silberner Bär der Filmfestspiele von Berlin) um eine verlorene Kindheit ohne Bindungen ist der Schweizer Vorschlag für den Oscar 2013 als bester nicht englischsprachiger Film.

Foto: Arsenal