Da ist die Welt noch in Ordnung: Zumindest hofft Ines (Alicia Vikander, links), dass sie mit ihrer Schwester Emilie (Eva Green) erfolgreich die Vergangenheit bewältigen kann.
Was vom Leben übrig bleibt: In "Euphoria" soll eine trotzige Künstlerin ihre weinerliche Schwester in den Freitod begleiten.

Euphoria

KINOSTART: 24.05.2018 • Drama • D / GB / S (2017) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Euphoria
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D / GB / S
Filmstudio
Vikarious Productions, Dancing Camel Films, Dorian Media, Wild Bunch Germany, B-Reel Films, Film Capital Stockholm, SVT, SF Studios
Laufzeit
98 Minuten
Regie
Lisa Langseth
Music
Lisa Holmqvist
Kamera
Rob Hardy

Filmkritik

Peinlichkeiten, Klischees und Selbstmitleid
von Andreas Fischer

Leere. Überall ist Leere im Kinodrama "Euphoria". Schon auf dem Flughafen, auf dem sich Ines (Alicia Vikander) und Emilie (Eva Green) das erste Mal seit vielen Jahren treffen, merkt man, dass es nichts gibt, was die beiden Schwestern verbindet. In der kühlen, chromglänzenden Menschenlosigkeit trägt Emilie einen aufgesetzt wirkenden Enthusiasmus zur Schau, Ines kontert mit enervierender Gleichgültigkeit. Was soll das nur für ein Urlaub werden, zu dem sich die beiden verabredet haben? "Es geht an den schönsten Ort der Welt", zwinkert Emilie geheimnisvoll. Für sie wird es die letzte Reise sein.

Bevor sie aufbrechen, schwelgen die Frauen noch einmal im Luxus. Aber auch teure Hotels, Hummer und Champagner können nichts ausrichten gegen die Leere zwischen den Frauen, die sich vor langer Zeit schon auseinandergelebt haben. Während Emilie jahrelang die kranke Mutter pflegte, ließ sich Ines als Superstar der Kunstszene bewundern und begehren. Das Einzige, was sie noch vereint, sind ihre persönlichen Krisen.

Die Stille fährt also mit in der verschwenderisch großen Limousine, die sie nach einer landschaftlich eindrücklichen Fahrt durch die Alpen mitten im Wald absetzt. Es ist Emilies "final destination", sie hat sich entschieden, in einem Schweizer Sterbehospiz freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Weil Ines nichts davon wusste, entladen sich plötzlich allerorten Gefühle.

Die schwedische Filmemacherin Lisa Langseth drängt das Publikum förmlich in die Rolle des Voyeurs. Man ist zum Zuschauen verdammt, obwohl man emotional außen vor gelassen wird. Mit Eva Green und Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander sind auf der Leinwand zwar zwei bemerkenswerte europäische Schauspielerinnen zu sehen. Allein: Sie kämpfen auf verlorenem Posten und müssen nicht viel mehr tun, als traurig (Green) oder trotzig (Vikander) dreinblicken.

Anstatt einer komplexen Auseinandersetzung mit Emilies selbstgewähltem Abschied, lässt sie das Drehbuch nur Banalitäten über Familie, Vergangenheit und Abschied daherplappern. Höhepunkt: ein peinlicher Dialog über Ines' besten Sex, den sie ausgerechnet an dem Tag hatte, an dem sie nicht zur Beerdigung ihrer Mutter ging. Glaubwürdig ist das nicht. Auch die Nebenfiguren sind merkwürdige Typen. Laute Exzentriker und verschwurbelte Esoteriker, die mit dem Leben abgeschlossen haben oder – mehr Klischee geht nicht – kurz vor dem Tod das Leben doch noch schätzen lernen, wie der Profifußballer mit den kaputten Beinen.

Das alles ist ein umso größeres Ärgernis, als dass Langseth eine ansehnliche morbide Atmosphäre schafft. Die Stimmung ist bedrückend, die Filmmusik dissonant – ein herrlicher Kontrast zur idyllischen Naturkulisse und dem Luxus der perfekt eingerichteten Todesvilla. Was man hier alles hätte (nicht) sagen und zeigen können! Stattdessen: Peinlichkeiten, Klischees, Selbstmitleid in einem Film, der außer blasierter Betroffenheit nicht viel mitbringt. Abgesehen nur von Charlotte Rampling. Aber selbst sie wird in ihrer Nebenrolle böse vorgeführt.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Adrian Lester
Adrian Lester
August Zirner in "Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi".
August Zirner
Schauspieler Charles Dance.
Charles Dance
Hat ein Faible für skandalöse Figuren: Charlotte Rampling.
Charlotte Rampling
Fiel als Bond-Girl in "Casino Royale" auf: Eva Green.
Eva Green
Schwedische Oscar-Gewinnerin: Alicia Vikander.
Alicia Vikander
Weitere Darsteller
Andreas Dubois Mark Stanley Katja Brenner Harald Siebler Eveline Hall Steffen Jung Christiane Blumhoff Olivia Emden Daron Yates

News zu Euphoria

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