Nur wenige Ereignisse in der westdeutschen Nachkriegsgeschichte haben die Gesellschaft so verändert wie die dramatischen Wochen des "Deutschen Herbsts 1977". Die RAF-Geiselnahme des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer am 5. September in Köln und die Entführung der Lufthansamaschine "Landshut" am 13. Oktober durch ein palästinensisches Terrorkommando hielten die Republik sechs Wochen lang in Atem.

Hier rekonstruiert Heinrich Breloer, der die deutsche TV-Landschaft mit Werken wie "Wehner - die unerzählte Geschichte" (1992) bereicherte, in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion die Ereignisse des "Deutschen Herbst", der mit der Entführung des damaligen Chefs des Arbeitgeberverbandes Hanns-Martin Schleyer begann. Zeitzeugen kommen zu Wort und schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht, Spielszenen besorgen den Rest. Doch leider beschäftigt sich Breloer kaum oder nur unzulänglich mit den Motiven der RAF-Aktivisten und bringt auch nicht den Mut auf, einmal unbequeme Fragen zu stellen, etwa ob die mysteriösen Todesfälle im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim tatsächlich auf kollektiven Selbstmord zurückzuführen sind. Daran lässt Breloer keinen Zweifel. Schade, eigentlich! Aber für Leute, die die damaligen Geschehnisse nicht kennen, bietet dieser Zweiteiler informative Unterhaltung. In der Rolle des Entführungsopfers Schleyer ist der 1998 verstorbene Bühnenschauspieler Hans Brenner zu sehen.

Foto: WDR/S. Anneck