Weil Willy zu viel Geld ausgibt, muss nun auch Colette (Keira Knightley) anfangen zu schreiben - mit überraschend großem Erfolg.
"Colette" bietet mit Keira Knightley in der Titelrolle ein warmherziges, sehr kluges und verehrungsvolles Porträt der bedeutendsten französischen Autorin des 20. Jahrhunderts.

Colette

KINOSTART: 03.01.2019 • Drama • GB / USA (2018) • 112 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Colette
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
GB / USA
Filmstudio
Number 9 Films, Bold Films, Killer Films
Einspielergebnis
14.273.033 USD
Laufzeit
112 Minuten
Regie
Wash Westmoreland
Music
Thomas Adès
Kamera
Giles Nuttgens, Robert Viglasky

Filmkritik

Sprache der Lust
von Andreas Günther

Sidonie-Gabrielle Colette erschuf die moderne Frau aus dem Geist des erotischen Romans: eine tolle These, die weniger Kostümfilmschleppe und noch mehr Sinnlichkeit verdient hätte.

Manche kennen Liebe und Begehren nur vom Hörensagen – oder aus Büchern. Und Bücher helfen, einigermaßen unverfänglich, sexuelle Orientierungen zu artikulieren. Zumindest scheint das für das Paris der Belle Epoque um 1900 zu gelten – historischer Hintergrund des Biopics "Colette" über Frankreichs wichtigste Autorin des 20. Jahrhunderts. In jener Zeit sind lesbische Neigungen in der sprichwörtlichen Stadt der Liebe eher pikant denn verwerflich, aber alles andere als legitim. Wie gesteht also die reiche Amerikanerin Georgie (Eleanor Tomlinson) ihre Leidenschaft für Colette (Keira Knightley)? Indem sie von den gleichgeschlechtlichen erotischen Abenteuern von Colettes literarischem Alter Ego Claudine schwärmt. Colette versteht: "Sie zieht mich mit ihren Augenlidern aus", kommentiert sie so distanziert wie prickelnd Georgies Gebaren. Aus der Entstehung einer eigenen Sprache der Lust vermag "Colette" eine Kultur weiblichen Selbstbewusstseins herzuleiten.

Sidonie Gabrielle-Colette kommt 1873 in einer kleinbürgerlichen Familie zur Welt und verbringt ihre Kindheit und Jugend auf dem Lande. Die Liebesheirat mit dem flamboyanten Journalisten und Schriftsteller Willy (Dominc West), Sprössling eines Kriegskameraden ihres Vaters, versetzt sie über Nacht in die Pariser Bohème, in den Sturm mondäner und literarischer Skandale, gepflegter Anzüglichkeiten und rauschhafter Exzesse. Das Geld ist knapp, weil Willy es schneller ausgibt, als seine zahlreichen Ghostwriter es herbeischreiben können.

Im Angesicht des Ruins veranlasst er seine Frau, einen Roman auf Basis der sinnlichen Irrungen und Wirrungen ihrer Pubertät zu verfassen. "Claudine in der Schule" erweist sich als Start einer erfolgreichen Buchserie, die unter dem Label "Claudine" eine üppige Verwertungskette in Gang bringt: Bühnenbearbeitungen, Seife, Parfüms ... Schade nur, dass Willys Name, nicht Colettes, auf dem Buchcover steht und ihr Mann alle Rechte innehat. Colettes Geliebte "Missy" alias Mathilde de Morny, Marquise de Belbeuf (Sloan Thompson), drängt sie, ihre Ansprüche durchzusetzen – Colette wird sich Willy entgegenstellen.

"Colette hat niemals vorgegeben, eine moderne Frau sein zu wollen", schreibt einer ihrer Biografen, "sie war es". Dabei geht leicht unter, dass die moderate Modernität der bisexuellen Autorin, die kleidungsmäßig mal ruppig männlich, mal verzaubernd weiblich auftrat, eben auch ihre weibliche Leserschaft zu einem selbstbestimmten Stil in Liebe und Leben inspiriert hat. Missy bringt es auf den Punkt: "Du hast mit 'Claudine' einen neuen Typus von Frau geschaffen."

"Colette" zeigt, dass das an einer subtilen Verschränkung von Literatur und Existenz liegt: Colette schreibt, was sie erlebt hat, und verschafft sich damit Möglichkeiten für neue Erlebnisse. Denn ihre Erfindung, die freimütige "Claudine", geht immer ein Stück über sich hinaus – und ermutigt dazu, es ihr gleichzutun. Konsequenterweise hört sich das Kratzen von Colettes Feder wie der Spatenstich zu einer neuen Existenz an.

Zu einem ganz großen Film fehlt jedoch einiges. Viele Passagen klappern allzu behaglich im Pferdedroschken-Rhythmus des Kostümfilms vorbei. Die Sinnlichkeit reduziert sich auf Richard Glatzers britzelnde Dialoge, sie spricht in Wash Westmorelands Inszenierung nicht aus den Körpern. Aber mit einer zunehmend verwegeneren Keira Knightley gelingt ein warmherziges, sehr kluges und verehrungsvolles Porträt einer großen Frau.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Macht nicht nur im Film eine gute Figur: Eleanor Tomlinson.
Eleanor Tomlinson
Eine begnadete Bühnenschauspielerin: Fiona Shaw.
Fiona Shaw
Die britische Schauspielerin Keira Christina Knightley wurde am 26. März 1985 in Teddington, Greater London, geboren.
Keira Knightley
Weitere Darsteller
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