"Lebbe geht weida", pflegte der Frankfurter Fußballtrainer Dragoslav Stepanovic zu sagen, wenn er ein Spiel verloren oder auch die Deutsche Meisterschaft im allerletzten Match vergeigt hatte. Das Leben geht weiter, mit dieser Erkenntnis und einem Strauß ­Blumen steht Nina Kunzendorfs Kommissarin Conny Mey allein im Raum, als sie Abschied vom aktiven Polizeidienst nimmt. Die Kollegen, maulfaul wie sie sind, zieht es wie jeden Tag hinaus in die Frankfurter Wildnis. Ein grauer Moment in einem grauen Tatort, der wie in Schwarzweiß gedreht aussieht. In einer Jugendhaftanstalt mit ihren labyrinthischen Gängen und dem ewigen Schlüsselrasseln ist passiert, was nie hätte passieren dürfen. Ein Insasse wurde in einer verschlossenen Einzelzelle ermordet.

Der Anstalt mit Tatort-Dauergast Sylvester Groth als Direktor geht es peinlichst um ihren Ruf. ­Joachim Król als Kommissar Steier geht es um Aufklärung. Das sind zwei Welten, die unversöhnlich aneinandergeraten. Leider verliert der als klassischer Gefängnis-Thriller spannend gestartete Film (Buch Lars Kraume) mit der Zeit an Fahrt. Gewiss, Kunzendorf und Król haben jede Menge ­Privates aufzuarbeiten. Ihr Abschied, seine gallenschwarze Melancholie – die beiden spielen das absolut ergreifend. Was sagt er, nachdem sie ihm endlich ihren Abschied nahebringen konnte? "Das ist das Dümmste, was ich je von Ihnen gehört habe." Der Krimi kommt darüber zum Stillstand. Game over. Ein unvermuteter Todesschuss passt nicht mehr, wirkt wie aufgesetzt. Adieu, Conny! Detlef Hartlap

Foto: HR/Bettina Müller