Theaterregisseur Thomas will Leopold von Sacher-Masochs Novelle "Venus im Pelz" auf die Bühne bringen. Doch die passende Hauptdarstellerin hat er noch nicht gefunden. Als dann - offensichtlich viel zu spät - die fast schon vulgär wirkende Vanda auftaucht und ihn überreden kann, im leeren Theatersaal für ihn vorzuspielen, erlebt Thomas sein blaues Wunder. Denn dass erste Missfallen um die Verspätung der Nachzüglerin weicht schnell einer ungemeinen Faszination. Thomas hält die Namensvetterin der Hauptfigur bald schon für eine Art Inkarnation. Er schlüpft offenbar nur allzu gern in die Rolle des unterwürfigen Severin, glaubt er doch, das Spiel selbst bestimmen zu können, ohne zu ahnen, dass mit dem Vorspiel nicht etwa etwas Sexuelles, sondern ein wahres Psychoduell begonnen hat ...

Roman Polanski erweist sich mit diesem Werk erneut als Meister des psychologischen Kammerspiels. Denn im Grunde genommen war schon sein Langfilmdebüt "Das Messer im Wasser" ein solches und zuletzt "Der Gott des Gemetzels" natürlich auch. Zwischendurch hat er ebenfalls immer wieder Kammerspiele inszeniert, so etwa "Der Tod und das Mädchen", "Bitter Moon" oder selbst die horrormäßigen "Ekel" und "Der Mieter" haben Anleihen. Dieses Mal allerdings steht weniger eine klaustrophobische Atmosphäre, sondern wie schon bei "Der Gott des Gemetzels", der verbal-komödiantische Aspekt im Vordergrund. Polanski nahm sich zu diesem Zweck das Bühnenstück von David Ives vor, der wiederum Leopold von Sacher-Masochs berühmt-berüchtigte Skandal-Novelle von 1870 verarbeitete. Mit spitzzüngigen, meist doppeldeutigen Dialogen entführt Polanski in die verbale Manipulation von Machtausübung, Kunst, Erotik und Lust. Seine Ehefrau Emmanuelle Seigner spielt ihre Rolle erstaunlich freizügig und Hauptdarsteller Mathieu Amalric wirkt vermutlich mit Absicht wie ein Alter Ego des Regisseurs. Nicht alle Dialoge sind gleich stark und gegen Ende läuft die packende Geschichte etwas aus dem Ruder, macht insgesamt aber dennoch Spaß.

Foto: Prokino