Mit "Cars 3: Evolution" bringt Disney einen ziemlich braven Familienfilm ins Kino, der von einer gewissen Nostalgie bestimmt wird. Für Lightning McQueen gibt es in seinem dritten Abenteuer derweil neue, jüngere Konkurrenz.

"Speed, ich bin Speed", es ist immer noch die gleiche Selbstmotivation, mit der sich Lightning McQueen auf seine Rennen beim Piston Cup vorbereitet. In den elf Jahren, seitdem er in "Cars" zum ersten Mal seine Runden im Kino drehte, hat sich freilich einiges verändert in Pixars animierter Welt des Motorsports. In "Cars 3: Evolution" gehört der schnittige Flitzer plötzlich zum alten Eisen. Und es ist irgendwie beruhigend zu sehen, dass auch junge Helden des CGI-Familienkinos altern. Wenngleich Lightning McQueen seine Probleme hat, mit dem sich abzeichnenden Karriereende.

Legenden sind nichts für die Ewigkeit, das muss man erst mal verdauen. Lightning McQueen jedenfalls muss sich in der wie stets mit detailreichem Perfektionismus animierten Autowelt der Pixar-Filmreihe an den Gedanken gewöhnen, irgendwann in Rente gehen zu müssen. Das ist für einen Vollblutflitzer natürlich ein Schock. Aber er ist nach jahrelanger Dominanz auf der Strecke einfach nicht mehr der Schnellste.

Das sind komplett durchoptimierte Jungspunde, die sich mit modernen Methoden auf die Rennen vorbereiten. Training in der virtuellen Realität, psychologische Betreuung, und Daten, Daten, Daten ... Ein bisschen wirkt das wie im modernen Fußball, in dem ohne detaillierten Matchplan kein Spiel mehr angepfiffen wird und ein Ergebnis ohne analytischen Schnickschnack wie Heatmaps, Laufleistungen, durchschnittliche Genauigkeit hoher und flacher Pässe, Anteil gewonnener offensiver und defensiver Zweikämpfe im Prinzip nichts wert ist.

Ein konventioneller Familienfilm

Auch beim Piston Cup ist nichts mehr wie früher, wo es doch vor allem um Gummi und Spaß ging. Heute wird nichts mehr dem Zufall überlassen. Erfolg muss planbar sein, damit sich die Investitionen in Teams und Fahrer rechnen. Dass ausgerechnet ein Konzern wie Disney, zu dem Pixar gehört, die Komplettkommerzialisierung der Unterhaltungsbranche thematisiert, war so nicht zu erwarten. Es bleibt aber die einzige Überraschung im von Brian McFee inszenierten "Cars 3: Evolution": Natürlich ist Lightning McQueens mutmaßliche Abschiedstournee ein konventioneller Familienfilm, mit sympathischen Figuren, temporeichen Rennszenen und erbaulichen Ratschlägen fürs Leben, zugeschnitten auf ein durchanalysiertes Zielpublikum.

Lightning McQueen stellt sich der neuen Konkurrenz – auf seine Art und Weise. Er will den Zeitpunkt für seinen Rücktritt selbst bestimmen. Das gefällt dem neuen Sponsor mit seinen modernen Trainingsmethoden zwar nicht, ist aber auch nicht weiter schlimm: Er hat die Rennsportlegende ohnehin nur aus Marketinggründen verpflichtet. Wenn McQueen scheitert, muss er halt Öldosen mit seinem Konterfei verkaufen.

Zusammen mit seiner neuen Trainerin Cruz Ramirez arbeitet McQueen an einem Abgang mit Würde: Das ist nicht einfach, weil sich Zukunft und Vergangenheit auf einen Kompromiss für die Gegenwart einigen müssen. Sie die moderne Laptop-Trainerin, er der alte "Gib-einfach-Gummi"-Verfechter. Dass sie es schaffen werden, steht außer Frage: Auf dem Weg zu ihrem Triumph entdecken sie versteckte Potenziale und ein Schlupfloch im Regelwerk.

Ein ziemlich braver Film

Das ist alles kalkuliert unterhaltsam und von einer gewissen Nostalgie bestimmt, die von häufigen Rückblenden verstärkt wird. Emotionale Tiefe darf man nicht erwarten, immerhin aber bekommen beliebte Nebenfiguren wie Abschleppwagen Hook ihre Auftritte und sorgt ein Demolition-Derby auf einer Hinterwald-Rennstrecke für ein wenig Abwechslung im ansonsten ziemlich braven Film.

Quelle: teleschau – der Mediendienst