LKA-Ermittler Niklas "Nick" Tschiller hat gerade seinen Job in Hamburg angetreten, als er mit seinem neuen Kollegen Yalcin Gümer in einem anonymen Wohnblock eine verdächtige Wohnung überprüfen soll, ohne diese jedoch zu betreten. Natürlich hält sich Tschiller nicht an die Dienstanweisung und entdeckt in dem Objekt junge Frauen, die dort festgehalten werden. Tschillers Pech: Gerade als er einem der Mädchen ein Handy übergeben hat, damit er ihre Spur verfolgen kann, betritt einer der Gangster die Wohnung. Für Tschiller beginnt ein Kampf ums Überleben, bei dem am Ende drei Leichen zurückbleiben. Es werden nicht die einzigen sein ...

Den mit viel Spannung erwarteten ersten "Tatort"-Auftritt von Til Schweiger inszenierte der Hollywood-erfahrene Regisseur Christian Alvart ("Fall 39") als knallharten Mix aus Actionfilm und Buddy-Movie, in dem geballert wird, was die Knarren hergeben. Da werden Erinnerungen an Hollywood-Spektakel wie "Lethal Weapon I - Zwei stahlharte Profis", "Stirb langsam" oder "Rush Hour" wach. Mit Krimi hat das reichlich wenig zu tun, denn so eine hohe Leichendichte hat man in einem "Tatort" selten erlebt. Einzelkämpfer Til Schweiger (der neue Kollege - witzig: Fahri Yardim - liegt schon nach der Anfangsszene im Krankenhaus) stakst - wie so oft - mit regungslosem (und arg malträriertem) Gesicht durch die nicht immer schlüssige Geschichte von Christoph Darnstädt, die so unterschiedliche Themen wie Menschenhandel, Prostitution, Missbrauch, organisierte Bandenkriminalität, Loyalität und Freundschaft anschneidet, aber nie weiter vertieft. Gerade in den Actionszenen, die ähnlich gelagerte des einstigen knallharten Vorzeige-Ermittlers Schimanski alias Götz George alt aussehen lassen, ist infolge der wackeligen Handkamera oft kaum zu erkennen, wer hier eigentlich auf wen schießt und mit wem kämpft. Aber macht ja nichts, Schweiger heißt der Sieger, der zum "Schutzengel" der jungen gepeinigten Frauen wird und ganz nebenbei noch lernt, als harter Hund für seine Tochter (nicht wirklich überzeugend: Luna Schweiger) ein weiches Ei zu kochen. Der Norddeutsche Rundfunk, der schon mit seinem Undercover-Ermittler Cenk Batu alias Mehmet Kurtulus ("Tatort - Auf der Sonnenseite") seine Experimentierfreudigkeit unter Beweis stellte, bringt somit erneut ein ungewöhnliches Ermittler-Gespann auf den Bildschirm, das sicher frischen Wind in die erfolgreichste Krimireihe Deutschlands bringt, aber alteingesessene "Tatort"-Liebhaber vor den Kopf stößt. Trotzdem stimmte die Quote, 12,57 Millionen Zuschauer sahen den ersten "Schweiger"-Fall und bescherten "Willkommen in Hamburg" die beste "Tatort"-Quote seit 1993.

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Foto: NDR/Marion von der Mehden