1977 kommt der deutsche Rechtsstaat an seine Grenzen: Die "Landshut"-Entführung, die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, des Bank-Chefs Jürgen Ponto und des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer sorgen für ein Klima der Angst und eine politische Stimmung auf dem Siedepunkt.

Viele bekannte Künstler und Intellektuelle werden aufgrund ihrer politischen Haltung als Sympathisanten der Roten-Armee-Fraktion (RAF) abgestempelt. Heinrich Böll etwa fühlte sich "gehetzt und denunziert". Der Dokumentarfilm "Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst" unternimmt den Versuch, sich dem Deutschen Herbst in Form einer Filmgeschichte und eines Gesellschaftsporträts anzunähern.

Vor allem aber ist es eine Familiengeschichte. Denn Regisseur Felix Moeller führte lange Gespräche mit seiner Mutter, der Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta, sowie seinem Stiefvater Volker Schlöndorff. Zu Wort kommen weitere Zeitzeugen wie Marius Müller-Westernhagen, Daniel Cohn-Bendit, der Autor Peter Schneider, Böll-Sohn René Böll, aber auch die früheren RAF-Terroristen Christof Wackernagel und Karl-Heinz Dellwo.

Was diesen Film angenehm von üblichen TV-Dokus unterscheidet, ist die Geduld, mit der er recherchiert und zuhört – und vor allem jeglicher Verzicht auf Besserwisserei. Ein bewegender, persönlicher Blick auf ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte.