Sonne, Sand und die Sehnsucht nach glitzerndem, azurblauem Meer: Wer das romantischlyrische Drama "Am Strand" nach dem Bestseller des englischen Erfolgsschriftstellers Ian McEwan kennt, weiß: Die Erwartungen werden hier ad absurdum geführt. Denn der Strand von "Chesil Beach" im englischen Dorset ist steinig, der Himmel und die See liegen in tristem Alltagsgrau. Und dennoch: Genau hier wollen Florence Ponting (Saoirse Ronan) und Edward Mayhew (Billy Howle) Anfang der 1960er-Jahre ihre Flitterwochen verbringen. Die jungen Leute sind frisch vermählt, und trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Hintergründe hängt der Himmel für sie voller Geigen. Sie fiebern ihrer ersten gemeinsamen Nacht aufgeregt entgegen – dabei könnten die Erwartungen der beiden Hauptfiguren an ihre gemeinsame Zukunft kaum unterschiedlicher sein.

Florence stammt aus einer wohlhabenden, angesehenen Familie. Sie spielt Geige und träumt von einer Karriere in einem Streichquartett. Edward dagegen kommt aus einem kleinbürgerlichen Milieu, interessiert sich statt für Klassik für Rock 'n' Roll und möchte am liebsten Schriftsteller werden. Das Ergebnis: Die Hochzeitsnacht gerät zum Fiasko. Schnell zeigt sich eine große Kluft zwischen romantischer Vorstellung und der Alltagsrealität. Der "Strand" wird zum Abgrund für das Paar.

Der Stoff ist poetisch, die Handlung dramatisch und die Dialoge der beiden fabelhaften Hauptdarsteller berühren. Das Kinodebüt des Theaterregisseurs Dominic Cooke lebt von seiner unaufgeregten Idee der Dramatik, dem Gespür für Intimität und Romantik, ohne jemals ins Klischee abzurutschen, und von der meisterhaften Führung der Schauspieler. Alles wirkt hier stimmig, nichts aufgesetzt. "Am Strand" ist ein Film über die große Liebe, die in der Hochzeitsnacht an Tabus und törichtem Stolz zerbricht. Es ist ein Film, der fest in seiner Zeit zwischen Nachkriegsboom und den Revolten der 1960er-Jahre verankert ist, dennoch in jeder Szene zeitlos. Herzkino für Fortgeschrittene.